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Ich war gerade auf der Suche nach einem geeigneten Thema, über das ich bloggen könnte, und überlegte über die neue Serie von Aaron Sorkin „The Newsroom“ zu schreiben, als ich (durch Schicksal oder Zufall) auf einen ZEIT-Artikel stieß, der meine Suche beendete.

Jedem, der sich gerne am Kopf kratzt und Sätze drei Mal liest, um ihre Intention zu enthüllen, kann ich den Artikel „Bügeln geht nicht mehr“ über aktuelle amerikanische Fernsehserien nur empfehlen.
Zugegeben, die Betitelung des Artikels als „eine Polemik“ warnt den Leser, sodass er sich auf eine kontroverse Meinung vorbereiten kann, aber ich habe einige Zeit gebraucht, bis mir klar wurde, was der Autor des Textes eigentlich kritisiert.

Die Kritik des Autors an der neuen Welle von amerikanischen (vor allem HBO) Serien, die in den letzten Jahren auch Deutschland erfasst hat, ist nämlich, dass sie zu gut sind!

Ja, schon im Untertitel des Artikels heißt es: „Alle Welt schwärmt von den amerikanischen Fernsehserien. Dabei terrorisieren sie uns mit ihrer durchgestylten Perfektion und Komplexität.“

Perfektion“ und „Komplexität“ sind zwei Wörter, die ich lobend benutzen würde, der Autor dieses ZEIT-Artikels sieht das jedoch anders:
Er trauert vielmehr den schlechten, alten Zeiten hinterher, in denen Fernsehserien noch Bügeleisen als Navigationsinstrumente und schwarze Plotlöcher, die die Hirne ihrer Protagonisten verschlucken, hatten: „Fernsehen war einmal ein unedles, zerstreutes Medium, in dem sich das Erhabene und der Murks verschwägerten.“

(Jeder, der „Doctor Who“ liebt, weiß natürlich, dass es damals wie heute immer noch reine Glückssache ist, ob man mit Weeping Angels oder fliegenden Riesen-Wespen konfrontiert wird – von schwebenden Salzstreuern natürlich ganz zu schweigen – und das o.g. Argument somit schnell außer Kraft gesetzt werden kann.)

Hinzu kritisiert der Autor die Wirkung, die die modernen Serien auf den Zuschauer haben. Früher lernte „wer Serien liebte […] zwischen den Zeilen zu lesen, das Unausgesprochene und Uneingelöste zu schätzen, im Dreck nach Gold zu schürfen“ und das Publikum wurde somit zu einem „aktiven Zuschauer“, der Plotlöcher selbst füllte, Hintergrundgeschichten zu Charakteren selbst erfand und dadurch seine Lieblingsserien selbst besser machte als sie waren.

„Der aktive Zuschauer, der wahre Medienfan, den die Cultural Studies gefeiert haben, scheint hingegen [heutzutage] überflüssig zu werden[, weil es] in den durchkomponierten, überdeterminierten, auserzählten neuen Shows […] wenige Lücken [gibt], in die ein Fanautor mit seinen Fantasien, seinen eigenen Storys stoßen könnte“.
Sprich: Die neuen Serien sind so gut, dass der Zuschauer sie nicht mehr verbessern muss und dadurch wird er – der These des Autors nach – zum reinen Konsumenten, schlimmer noch: zum Eskapisten! („Vielmehr legen die neuen Serien […] den Gedanken nahe, dass es ihnen vor allem auf Atmosphäre und »Style« ankommt, um die Erschaffung von Markenuniversen, die so komplett und zugleich so grenzenlos sind, dass sich der Zuschauer in ihnen verliert“)

Ganz davon abgesehen, dass Eskapismus auf diesem Blog selbstverständlich gefeiert wird, offenbart diese Kritik das riesige Loch in der Argumentation des Autors: Nicht die schlechte Qualität vergangener Serien hat den Zuschauer früher „aktiv“ gemacht. Dass jemand Fan einer Serie ist, weil sie schlechte Drehbücher, Ausstattungen und Schauspieler hat, kann ich mir nicht vorstellen. Zum Fan wird man, wenn man etwas gut findet. Und als Fan kann man eine Serie trotz der o.g. Defizite mögen.

Die verbesserte Qualität moderner Serien macht den Zuschauer daher alles andere als passiv, sie „aktiviert“ ihn nach wie vor über das „Gute“ an einer Serie, das ihn zum Fan macht. Und nie waren Fans aktiver als heutzutage in Foren, auf Fanfiction-Seiten, Podcasts, Conventions, social media, etc.
Der einzige Unterschied ist, dass die modernen Fans ihre Lieblingsserien nicht mehr ausbessern, sondern nur noch verbessern.

Nein, die neuen amerikanischen Serien sind nicht perfekt. Wenn man jedoch Fernsehserien aus früheren Jahrzehnten mit ihnen vergleicht, kann man leicht urteilen, dass viele der neuen Serien besser sind. Warum man die „akribische Ausstattung, [die] ausgesuchten Sets und [die] erbarmungslos orchestrierten Geschichten“ jedoch kritisieren sollte, erschließt sich mir nicht.

Perfektion und Komplexität in „einem Fernsehen, das sich nicht angreifbar machen will“ heiße ich persönlich willkommen!

In diesem Sinne,
schaut „The Newsroom“

PS: Bonuspunkte für jemanden, der mir den Matrix Vergleich und das Zitat von Fredric Jameson im Kontext des Artikels erklären kann!