Der November steht wieder vor der Tür und neben ihm sein siamesischer Zwilling Nanowrimo. Am Donnerstag werde ich beide zum zweiten Mal in meine Wohnung bitten und mich erneut auf den Burnout- und Erleuchtungsmarathon einlassen, der jährlich Tausende von Schreibwütigen dazu bringt, alle sozialen Kontakte, sowie Arbeits- und Univerpflichtungen schleifen zu lassen, um stattdessen Tag und Nacht mit Plotkonstruktionen, Romancharakteren und Schreibblockaden zu verbringen.

Die Regeln sind einfach: 50 000 Wörter/30 Tage = 1667 Wörter pro Tag, jeder kann mitmachen, die Teilnahme ist kostenlos, die Ergebnisse unbezahlbar: Selten habe ich in so kurzer Zeit so viel über das Schreiben und (so klischeereich-selbsthilfegrupenmäßig das auch klingt) über mich gelernt, wie bei Nanowrimo.

Mein Fazit daher: uneingeschränkt allen zu empfehlen!

Ich freue mich auf Nanowrimo 2012, neue Erkenntnisse und Frustrationen und entschuldige mich im Voraus bei allen Nicht-fiktiven, die im kommenden Monat Kontakt mit mir aufnehmen wollen.

Wie Frank Sinatra einst sang: „Love is lovelier the second time around“ – let’s hope that also goes for Nanowrimo!

PS: Anmelden kann man sich (wenn man das möchte) auf nanowrimo.org, mich findet ihr unter Eskapist und ich freue mich immer über Writing Buddies, die meine/n Begeisterung/Frust teilen.

Zwar sind der November und mit ihm Nanowrimo noch einige Monate entfernt, aber so langsam sollte jemand, der im letzten Jahr unter allzu schlechter Planung gelitten hat, mit den Vorbereitungen für den diesjährigen Schreib-Marathon beginnen.

Dazu gehören natürlich neben solchen Kleinigkeiten wie Grundidee, Charakteren und Spannungsbogen auch die alljährlichen „writing dares“, die einen motivieren, wenn man kurz vorm Aufgeben ist:

Dare I: Genrewechsel – Charaktere, Plot und Setting sind dieselben, aber etwas fühlt sich in diesem Kapitel anders an: Warum zieht der Protagonist plötzlich einen Trenchcoat über und beginnt in schmierigen Hafenkneipen nach Narben-Nick zu suchen? Wo kommen die sonnenbrillentragenden Anzugständer her, an die sich niemand außer unserem Helden erinnern kann? Wird Lord Feathersham ihr heute endlich den von ihrer Mutter langersehnten Antrag machen? Und ist das nicht schon die dritte Leiche an diesem Morgen?

BonusPoints: Wenn der Genrewechsel inhaltlich in die Geschichte eingebettet ist – Der Protagonist hat gerade zum ersten Mal Drogen genommen/ gestern Nacht noch spät einen sehr eindrücklichen Film geguckt/ Buch gelesen/ einer der Charaktere hat einen Traum/ Vision/ dem Erzähler ist langweilig geworden, etc.

DoubleBonusPoints: Wenn die anderen Charaktere den Genrewechsel innerhalb des Kapitels kommentieren – „Seit wann kennst du eigentlich einen Lord?“

TripleBonusPoints: Wenn der Genrewechsel danach nostalgisch immer wieder erwähnt wird – „Wenn doch nur die mysteriösen Männer, die dich eine Zeit lang verfolgt haben, jetzt noch hier wären, die hätten bestimmt eine Plasmapeitsche zur Hand …“

Cookie: Wenn jedes Kapitel in einem anderen Genre stattfindet.

Der Oktober nähert sich seinem Ende zu und der November wartet begierig auf seinen Abtritt. Weltweit trauern Millionen von Menschen dem Herbst hinter her und sehnen den weihnachtlichen Dezember herbei. November, den unbeliebtesten Monat des Jahres, würden alle am liebsten überspringen.

November mit seinem konstanten Regen, seiner sich langsam einschleichender und dann nie wieder davon gehender Kälte, seinen grauen Nachmittagen, mit wenig Sonne und statt Feiertagen nur Depressionen und Langeweile. November eben.

Aber es gibt einen guten Grund, sich über jeden Regentropfen, der auf der anderen Seite des Fensters fällt, zu freuen. Einen Grund, das schlechte Wetter willkommen zu heißen, das einen dazu zwingt, zu Hause zu bleiben. Einen Grund, der die Langeweile durch konstante Beschäftigung ersetzt. Der einem keine Zeit lässt, depressiv zu werden. Und der den November viel schneller vergehen lässt, als es einem lieb sein kann:

Nanowrimo.

Nanowrimo macht jeden November zum NAtional NOvel WRIting MOnth und aus jedem willigen Teilnehmer einen Autor. Ziel ist es in 30 Tagen (und Nächten) einen Roman von 50.000 Wörtern zu verfassen. Auf www.nanowrimo.org kann man sich auch offiziell eintragen und das Voranschreiten des persönlichen und kommunalen Wortzählers beobachten.

Also an alle, denen schon seit Ewigkeiten ein Roman oder auch nur der Geist einer Idee dafür im Kopf herum spukt: Diesen November gibt es kein Drücken mehr!
Jetzt wird die Arbeit mit dem Gongschlag liegengelassen und das Ausgehen mit Freunden auf nächsten Monat verschoben. Jetzt werden die ersten Wörter noch vorm Frühstück verfasst und die letzten kurz vorm Einschlafen im Bett aufs Papier gebracht. Jetzt handeln die Alpträume nur noch von Plotlöchern und unscharfen Charakteren. Jetzt wird gegrübelt und getippt bis Finger und Hirn gleichsam rauchen.

Jetzt wird ein Buch geschrieben.

Mach mit!