Ersetzt „reading“ mit „writing“ und ihr habt meinen letzten Monat in Songformat:

Merci an alle, die meine Rumheulerei und mein Gefluche ertragen mussten (ihr wisst, wer ihr seid) und ganz großen Dank an Sirat, der den ganzen Scheiß mit mir zusammen durchgemacht hat – mein Plot ist dir besonders dankbar!

„Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.“

Well, screw you, Mark Twain!


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Samstag, 11:59 Uhr

Ich (hoffnungsvoll): Sehr gut, da bist du ja endlich mal vor Mittag aufgestanden. Dann kriegen wir ja heute bestimmt was geschafft. Wie wärs, wir schreiben heute deine Geschichte zu ende?

Lord Laziness (gähnend): Nur nicht so hastig, jetzt erstmal in Ruhe frühstücken und schauen, was ich im Internet so alles verpasst habe in der letzten Woche.

 -zwei Stunden später-

Ich: Jetzt schließ aber mal den Browser und wende dich lieber Word zu.

Lord Laziness: Okay, aber ich muss grad noch wen anrufen.

 -zwei Stunden später-

Ich (nervös mit den Fingern tippend und zur Uhr schauend): Du solltest dich jetzt hinsetzen und dein beklopptes Buch fertig schreiben!

Lord Laziness: Aber es ist doch Wochenende…

Ich: Ja, gerade deshalb. Dann kannst du endlich fertig werden und vermeidest den Stress, alles auf den letzten Drücker machen zu müssen.

Lord Laziness: Aber heute beginnt doch die Weihnachtszeit…

Ich (ungehalten): Na und? Die Weihnachtsvorbereitungen können auch noch bis Dezember warten. Nun schreib endlich!

 -vier Stunden später-

Lord Laziness (stolz): Ich hab jetzt mal Pralinen gemacht.

 

Ich (seufzend): Und was ist mit Nanowrimo?

Lord Laziness: Sekunde, ich muss eben noch bloggen…

Acht Stunden am Tag verbringe ich durch mein Praktikum mit dem Lesen von Leseproben und Exposés, dem Schreiben von Bewertungen und dem Lektorieren von vollständigen Manuskripten. Nach dem Abendbrot öffne ich dann mein Netbook erneut und haue für drei bis vier Stunden zwecks Erfüllung meiner Nanowrimo-Quote in die Tasten. Dann ist es meistens 23 Uhr und ich tue was? Bloggen.

Alles begann so gut: Noch am 31. Oktober traf ich mich mit elf anderen Nano-Schreibern aus Berlin zum Write-In und hatte dadurch noch vor dem zu Bett gehen 600 Wörter geschafft. Die nächsten Abende verbrachte ich gechillt auf meinem Bett und stellte, immer wenn ich ein Kapitel abschloss, fest, dass ich meinen Soll schon erfüllt hatte. Kein Stress also.

Jetzt sind die ersten zehn tausend Wörter geschrieben und die im Vorfeld geplanten ersten sieben Kapitel beinahe abgeschlossen, jetzt verliere ich langsam nicht nur meinen eigenen Faden, sondern auch die Motivation, jetzt fange ich an zu begreifen, warum Nanowrimo als „literary abandon“ betitelt wird.

Hier ein paar Dinge, die ich in meiner ersten Woche von Nanonwrimo bereits gelernt habe:

  1. Mit einer Zahl von 1667 Wörtern kann ich überhaupt nichts anfangen, drei Seiten pro Tag klingt dagegen vollkommen machbar – Pustekuchen! Gerade, wenn man nicht mehr weiß, was inhaltlichen passieren wird, sollte man sich unbedingt Zeit nehmen!
  2. Nachts funktioniert mein Schreibhirn am besten, was toll ist, da ich sowieso nur nachts Zeit zum Schreiben habe. Andererseits leide ich für gewöhnlich schon darunter, dass mein Körper schlafen, mein Kopf aber einfach keine Ruhe geben will: Jetzt habe ich Tage an denen ich statt einzuschlafen über Plotpunkte und Wendungen nachdenke bis mir der Kopf rauscht. So manches Mal bin ich in den letzten Tagen auch schon gegen vier Uhr morgens (und natürlich ohne auch nur eine Sekunde geschlafen zu haben) wieder aufgestanden, durch das dunkle Zimmer getappt bis ich Notizbuch und Stift gefunden hatte und habe dann die nächste Stunde damit verbracht, bei möglichst wenig Licht, mir all das aus dem Kopf zu schreiben, das mein Gehirn am herunterfahren hindert. Wie sagt mein neuer Computer immer so schon: „Es laufen noch Hintergrundprogramme, die geschlossen werden müssen, damit ein Herunterfahren möglich ist. Herunterfahren erzwingen?“ Ich klicke dann immer „ja“, nur dummerweise ist mein PC doch einfacher zu bedienen als meine persönliche Festplatte. Daher rate ich nur, Notizbuch und Stift gleich neben dem Bett horten, spart Zeit und verhindert kalte Füße.
  3. Perfektionismus kann man sich abgewöhnen! Donnerstag Abend schrieb ich über drei Stunden an Kapitel drei, nur um beim anschließenden Durchlesen festzustellen, dass es totaler Scheiß war. Normalerweise hätte ich also entweder noch weitere drei Stunden mit der Überarbeitung des Geschriebenen verbracht, oder aber einfach alles wieder gelöscht. Da ich durch Nano aber sowohl auf die tägliche Wortzahl, wie auch auf meinen Schlaf, angewiesen bin, dachte ich mir: „Screw that!“ und bin ins Bett gegangen.
  4. Dinge, die nicht spannend sind, die man sich also quälen muss aufzuschreiben, sollte man gleich weglassen. Obwohl ich mich in Romanen schon häufig über endlos langweilige Beschreibungen geärgert habe, brauchte ich einige Tage um diesen Grundsatz auch als Autor ernst zu nehmen. Wenn man als Autor kein Talent hat, das inhaltliche leere Passagen sprachlich füllt, dann sollte man seine Handlung einfach abkürzen. Der Leser kann ja auch ein wenig an der Bebilderung der erdachten Welt mitarbeiten.
  5. Ablenkung ist gut! Zwischendurch mal ein youtube-Video gucken, ein wenig auf tumblr surfen, vielleicht auch mal schnell um den Block gehen – all das kann nur helfen.

In diesem Sinne,

“I hate catchy choruses and I’m a hypocrite – hungry, hungry hypocrite” – yes, I’m going a bit mental, so what?!

Der Oktober nähert sich seinem Ende zu und der November wartet begierig auf seinen Abtritt. Weltweit trauern Millionen von Menschen dem Herbst hinter her und sehnen den weihnachtlichen Dezember herbei. November, den unbeliebtesten Monat des Jahres, würden alle am liebsten überspringen.

November mit seinem konstanten Regen, seiner sich langsam einschleichender und dann nie wieder davon gehender Kälte, seinen grauen Nachmittagen, mit wenig Sonne und statt Feiertagen nur Depressionen und Langeweile. November eben.

Aber es gibt einen guten Grund, sich über jeden Regentropfen, der auf der anderen Seite des Fensters fällt, zu freuen. Einen Grund, das schlechte Wetter willkommen zu heißen, das einen dazu zwingt, zu Hause zu bleiben. Einen Grund, der die Langeweile durch konstante Beschäftigung ersetzt. Der einem keine Zeit lässt, depressiv zu werden. Und der den November viel schneller vergehen lässt, als es einem lieb sein kann:

Nanowrimo.

Nanowrimo macht jeden November zum NAtional NOvel WRIting MOnth und aus jedem willigen Teilnehmer einen Autor. Ziel ist es in 30 Tagen (und Nächten) einen Roman von 50.000 Wörtern zu verfassen. Auf www.nanowrimo.org kann man sich auch offiziell eintragen und das Voranschreiten des persönlichen und kommunalen Wortzählers beobachten.

Also an alle, denen schon seit Ewigkeiten ein Roman oder auch nur der Geist einer Idee dafür im Kopf herum spukt: Diesen November gibt es kein Drücken mehr!
Jetzt wird die Arbeit mit dem Gongschlag liegengelassen und das Ausgehen mit Freunden auf nächsten Monat verschoben. Jetzt werden die ersten Wörter noch vorm Frühstück verfasst und die letzten kurz vorm Einschlafen im Bett aufs Papier gebracht. Jetzt handeln die Alpträume nur noch von Plotlöchern und unscharfen Charakteren. Jetzt wird gegrübelt und getippt bis Finger und Hirn gleichsam rauchen.

Jetzt wird ein Buch geschrieben.

Mach mit!