Ideen


Die folgende Idee für eine Kolumne/zusammenhängende Kurzgeschichten, die – natürlich – vom Känguru noch tiefer inspiriert wurde, trage ich seit meinen unvergesslichen WG-Castings vor einigen Jahren mit mir herum.

Im Grunde beinhaltet sie nicht mehr als folgendes Konzept: Eine Sammlung von Anekdoten eines jungen Studenten auf der Suche nach einem neuen Mitbewohner, wobei die auftauchenden Kandidaten entweder Personifikationen von metaphysischen Konstrukten oder mystische Figuren sind.

Dass nie etwas daraus geworden ist, liegt vor allem daran, dass die Idee kaum mehr Potential als ein guter Werbe-Slogan hat – das erste Mal originell, danach nervt er alle nur noch.

Daher ist es nun an der Zeit, sie aufzuschreiben und zu vergessen. Schließlich entstand diese Idee vor allem aus dem Wunsch solche Sätze wie „Heute ist der Kommunismus bei mir eingezogen.“ oder „Wenn ich gewusst hätte, dass der freie Wille ein Stehpinkler ist, hätte ich nie eingewilligt, mir mit ihm ein Bad zu teilen.“ zu formulieren.

Mit dem Taschentuch winkend präsentiere ich daher hier die Einleitung, die einzige Anekdote, die es je aus meinem Kopf hinaus und auf ein Stück Papier gebracht hat:

1. Wie alles begann

Gestern hat der Tod an meine Tür geklopft und gefragt, ob er sich das freie Zimmer ansehen könne. Ich antwortete ihm perplex, dass da kein freies Zimmer sei, sondern nur der Raum meines Mitbewohners. Er sagte, er wolle es trotzdem sehen – nur für den Fall…

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Noch ganz im „The Lizzie Bennet Diaries“-Rausch, überfiel mich heute der Gedanke, dass dieses Projekt dringend Nachahmer braucht. Videoblog-Adaptionen berühmter literarischer Werke sollte es öfter in der Welt geben.

Was mir als erstes in den Sinn kam, war natürlich „Der Herr der Ringe“ und kaum war dieser Gedanke in meinem Kopf losgerannt, stieß er auch schon mit einem ebenso hektischen Kollegen zusammen.

Bei youtube trifft man immer wieder auf sogenannte collab-channels, für die sich verschiedene Vlogger zusammentun und gemeinsam einen Kanal mit Videos versorgen. Meistens besetzt dabei jeder der Teilnehmer einen Tag der Woche, sodass Montag-Freitag je ein Video von einer Person hochgeladen wird, die ein abgestimmtes Thema behandeln.

Die Vereinigung beider Gedanken gebar eine Idee: „Der Herr der Ringe“ als collab-channel der Gefährten.

Sam könnte unser Montag sein, uns in der ersten Woche von Bilbos einundelfzigstem Geburtstag und dem Gespräch, das er zwischen Frodo und Gandalf belauscht, berichten. Im Verlauf der Reise wird Sam sicherlich zur wahren Stimme der Vernunft, die sich Sorgen um Ponys und Kartoffeln macht, werden und gelegentlich kann über ihn auch Frodo zu Wort kommen.

Dienstags vloggen Gimli und Legolas in friedlicher Eintracht oder sie beleidigen sich gegenseitig in Sprachen, die der jeweils andere nicht versteht, oder sie schlagen sich gleich die Köpfe ein…

Natürlich wäre auch Boromir ein unersetzlicher Teil der Gefährten (auch wenn er im zweiten Teil wahlweise durch Eomer oder seinen eigenen Bruder ersetzt werden müsste). Wer sonst könnte von den ersten Schlachten um Osgiliath und dem herannahenden Schatten im Osten wissen? Und ein paar kontroverse Meinungen zum Einsatz des Ringes könnte man inmitten der anderen Gutmenschen dringend gebrauchen – Boromir ist also prädestiniert unser Mittwoch zu sein.

Merry und Pippin sorgen am Donnerstag für leichte Unterhaltung, versorgen uns mit den neuesten Theorien über den mysteriösen Streicher, dem ein oder anderen Trinklied und allerlei unbedachten Handlungen und Aussprüchen.

Für den Freitag bleibt die Besetzung offen: Gelegentlich bietet dieser Tag die Möglichkeit für Gandalf vorbei zu schauen, ein paar weise Worte zu sagen und sich ansonsten in Pfeifenrauch zu hüllen. Aragorn kann von mir aus auch ein paar anständige Dinge von sich geben, sein Schwert schwingen oder generell die Moral der Truppe durch Ansprachen erhöhen. Vielleicht schaut ja auch Gollum vorbei und erzählt uns von seinem Schatz.

Soweit meine Idee, wer auch immer Lust hat sie umzusetzen, sei mir willkommen! Ich bin auch gerne bereit, beim Drehbuch zu helfen.

PS: Und wenn wir schon dabei sind: „Der Hobbit“ würde sich natürlich als klassischer one-person-Video-Blog noch viel besser eignen! Und er lässt sich auch mühelos in die heutige Zeit und außerhalb von Mittelerde umsetzen: Ein gemütlicher, mittelalter Mann, der eigentlich nichts als den „guten Morgen“ loben wollte, wird als angeblicher Meisterdieb in ein lebensgefährliches Abenteuer und den Kampf gegen den Kriminellen Smaug hineingezogen – schreibt sich doch von selbst!

…einem Ich-Erzähler, der uns nach Strich und Faden belügt.

Vielleicht kein gänzlich origineller Gedanke, schließlich gab es im 17. Jahrhundert eine ganze literarische Gattung (und im Grunde gab es damals in der Prosa nur drei davon), die solchen Helden gewidmet war: Der Schelmenroman

Aber wäre es nach Simplicissimus, Schelmuffsky, Till Eulenspiegel, den Schildbürger, Baron von Münchhausen und natürlich Käpt’n Blaubär nicht mal nett einen solchen Hochstapler in unserer modernen Belletristik auszusetzen, einen vorsätzlichen Forrest Gump des 21. Jahrhunderts?