Oktober 2012


Der November steht wieder vor der Tür und neben ihm sein siamesischer Zwilling Nanowrimo. Am Donnerstag werde ich beide zum zweiten Mal in meine Wohnung bitten und mich erneut auf den Burnout- und Erleuchtungsmarathon einlassen, der jährlich Tausende von Schreibwütigen dazu bringt, alle sozialen Kontakte, sowie Arbeits- und Univerpflichtungen schleifen zu lassen, um stattdessen Tag und Nacht mit Plotkonstruktionen, Romancharakteren und Schreibblockaden zu verbringen.

Die Regeln sind einfach: 50 000 Wörter/30 Tage = 1667 Wörter pro Tag, jeder kann mitmachen, die Teilnahme ist kostenlos, die Ergebnisse unbezahlbar: Selten habe ich in so kurzer Zeit so viel über das Schreiben und (so klischeereich-selbsthilfegrupenmäßig das auch klingt) über mich gelernt, wie bei Nanowrimo.

Mein Fazit daher: uneingeschränkt allen zu empfehlen!

Ich freue mich auf Nanowrimo 2012, neue Erkenntnisse und Frustrationen und entschuldige mich im Voraus bei allen Nicht-fiktiven, die im kommenden Monat Kontakt mit mir aufnehmen wollen.

Wie Frank Sinatra einst sang: „Love is lovelier the second time around“ – let’s hope that also goes for Nanowrimo!

PS: Anmelden kann man sich (wenn man das möchte) auf nanowrimo.org, mich findet ihr unter Eskapist und ich freue mich immer über Writing Buddies, die meine/n Begeisterung/Frust teilen.

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Barry Fairbrother ist tot. Neben Schrecken und Trauer regiert in Pagford, der Kleinstadt, in der Barry lebte, vor allem eines: hämische Freude. Denn mit Barrys Abtritt aus dem Leben wird auch sein Platz im Stadtrat frei. In eben diesem Stadtrat herrscht seit Jahren ein erbitterter Kampf um die „Fields“, den benachbarten sozialen Brennpunkt, der zum Leid vieler Einwohner offiziell zu Pagford gehört … noch, denn Barry, der selbst in den „Fields“ aufgewachsen ist, war Stimmführer der Verteidigung. Mit seinem Tod sieht Howard Mollison, oberster Stadtrat und Barrys größter Gegner, den perfekten Moment gekommen, um endlich die Mehrheit im Stadtrat zu erlangen und sich endgültig des Schandfleckes voller Drogenabhängiger und Krimineller zu entledigen.

Ja, ich gebe zu, ich gehöre zu denen, die „The Casual Vacancy“ rein aufgrund des Autors, J.K. Rowlings, gekauft haben. Ich wusste kaum, worum es in ihrem ersten Roman seit Harry Potter gehen würde und, ja, es war mir auch ziemlich egal: Rowling hatte endlich wieder ein Buch geschrieben, natürlich würde ich es lesen!

Nachdem ich „The Casual Vacancy“ nun gelesen habe, kann ich zwei Dinge sagen.

  1. „The Casual Vacancy“ ist soweit von Harry Potter entfernt, wie es nur geht: Ein realistischer Roman für Erwachsene, sozialkritisch und belehrend, sprachlich und inhaltlich provozierend und dunkel, und – was mich am meisten überrascht und gefreut hat – ganz ohne Potters deus ex machina, die mächtigste Magie von allen: this time it`s not love again!
    Inmitten von Drogensüchtigen, frustrierten Ehefrauen und kriminellen Teenagern treffen wir zwar auf viele Formen von Liebe, aber genau wie die Menschen, die sie empfinden, ist die Emotion diesmal kaputt und realistisch.
  2. Ich bin mir trotz ihres stilistischen Könnens nicht sicher, ob ich mich für dieses Buch interessieren würde, wenn der Autor nicht J.K. Rowling hieße. Wirklich neu ist die thematisierte „middle-class“-Kritik nicht. Und durch die vielen Charaktere, von denen jeder eigene Plotstränge und Erzählperspektiven mit sich bringt, ist am Ende unklar, wessen Geschichte eigentlich erzählt wurde und an wessen Veränderungen man als Leser nach Schließen des Buches nun Anteil nehmen soll.

Mein Fazit daher: Fans von Rowling haben den Roman bestimmt wie ich bereits gelesen, allen anderen kann ich ihn nur empfehlen, wenn sie sich für die Thematik des Buches interessieren. Ansonsten verpasst man nichts, wenn man diesen Rowling auslässt und lieber auf die kommenden Kinderbücher wartet … yay!

PS: Ist eigentlich niemandem im Lektorat aufgefallen, dass die Betitelung der Kapitel mit Wochentagen nach der Hälfte des Buches einfach aufhört? Oder hat das einen tieferen Sinn, der sich mir entzieht?