September 2012


Selten bin ich auf eine Buch-Reihe gestoßen, die mich so himmelhoch jauchzen lässt und derart zum Tode betrübt, wie Jasper Fforde’s Thursday Next-Bücher.

Als ich vor einigen Jahren den ersten Teil „The Eyre Affair“ begann, war ich schon nach wenigen Kapiteln begeistert: Warum hatte ich diesen Autor nicht schon längst entdeckt? Wie viele Fortsetzungen gab es bereits? Sollte ich die vielleicht gleich alle auf einmal bestellen?

Aber dann las ich weiter und meine Begeisterung schmolz dahin. Mit zunehmender Seitenzahl wurde ich immer frustrierter, die Pausen, in denen ich andere Bücher las, immer länger und schließlich kostete es mich mehrere Anläufe, den Roman überhaupt zu beenden.

Einige Monate später nahm ich in den Ferien dann den zweiten Teil „Lost in a Good Book“ zur Hand … und war erneut begeistert: Wie hatte ich den ersten Teil so verurteilen können? Fforde war ein Genie! Sollte ich mir nicht besser gleich auch noch den dritten Teil bestellen?

Aber dann las ich weiter und … erinnerte mich wieder an meine früheren Probleme mit Fforde’s Büchern. Insgesamt habe ich, glaube ich, fast ein Jahr gebraucht, um den zweiten Teil zu beenden.

In den letzten Wochen habe ich nun den dritten Teil „The Well of Lost Plots“ gelesen und … langsam habe ich mich mit meinen widersprüchlichen Gefühlen hinsichtlich der Reihe abgefunden.
Daher kann ich nun auch furchtbar enttäuscht und vollkommen fasziniert Kritik und Lob zum Werk in Worte fassen.

3 Gründe, warum ich mir geschworen habe, nie mehr ein Thursday Next-Buch zu lesen:

  1. Fforde begräbt seinen roten Faden unter unzählbaren Mengen von Subplots: Er existiert zwar, irgendwo, aber der Leser bekommt ihn nur auf den ersten und letzten 30 Seiten des jeweiligen Romans zu Gesicht.
  2. Da der Roman nicht nur in einer alternativen Vergangenheit (in der realen Welt sind wir in den 80er Jahren) spielt, sondern dazu auch noch mehrere fiktionale Welten jongliert und ständig Charaktere einführt, die entweder die Vergangenheit an sich oder die Erinnerung unserer Heldin verändern können, hat man als Leser ernsthaft Mühe, die vielen verschiedenen und sich gegenseitig widersprechenden Handlungsebenen noch zu überblicken.
  3. Hinzu kommt die Masse an Charakteren, von denen die Buchwelt-Figuren auch häufig noch zwei Persönlichkeiten haben, die einen, auch wenn man es geschafft hat, die Handlung zu durchschauen und die Ebenen der Geschichte zu ordnen, irgendwann immer den Faden verlieren lassen.

 3 Gründe, warum ich diesen Schwur immer wieder brechen werde:

  1. Was zählt ist nicht die Handlung, sondern die Subplots, die so voller einzigartiger, skurriler und charmanter Ideen sind, dass man sie einfach lieben muss: Romancharakter-Austausch-Programme, Neandertaler Kunst- ausstellungen, schwangere Dodos, Sarkasmus-Frühwarnanlagen, etc.
  2. Thursday Next arbeitet nicht nur in einer Regierungsabteilung für literarische Detektive, sondern in späteren Bänden auch für „Jurisfiction“, eine Organisation, bestehend aus fiktionalen Charakteren und realen Personen, die von Buch zu Buch springen und dort für Ordnung sorgen (indem sie u.a. Therapiestunden für zerstrittene Romanfiguren anbieten, den Schwarzmarkthandel von Plotelementen kontrollieren und die grammatikgefährdenen „grammasites“ bekämpfen).
  3. Fforde macht sich das Medium Text in jeder nur denkbaren Form zu eigen: So kann unsere Heldin sich dank „FootNoterPhone“ mit anderen Charakteren über Fußnoten unterhalten, die „grammasites“ greyphen den Txet für den Läser scihtbra an und manche Wesen der Buchwelt reden für den Leser lesbar für die Charaktere aber unverständlich in Sprachen wie Courier Bold.

Mein Fazit daher: Jasper Fforde’s Thursday Next-Reihe ist genial! Empfehlen kann ich sie aber nur Lesern, die gut darin sind, den Überblick zu behalten, nichts gegen Längen haben und die Schönheit einzelner Sätze und Ideen wertschätzen können.

PS: „Warning: The author may have eaten nuts while writing this book.“

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Jacob stirbt. Um seinen Bruder zu retten, hat er einst sein eigenes Leben verwirkt. Jetzt bleiben ihm nur noch wenige Monate bis der Fluch der Roten Fee ihm den Tod bringt. Aber Jacob Reckless würde seinem Namen untreu werden, wenn er dieses Schicksal einfach so hinnähme.

Genauso arrogant und leichtsinnig wie wir ihn aus Teil Eins kennen, begibt Jacob sich mit seiner treuen Gefährtin Fuchs auf die Suche nach einem Wundermittel, das ihn doch noch heilen kann. Und als die verwunschenen Äpfel versagen und der magische Wunschbrunnen ausgetrocknet ist, bleibt nur noch ein legendärer Schatz übrig: Die Armbrust des Hexenschlächters, die voll Hass genutzt ganze Heere mit einem Schuss ausrotten, mit Liebe geführt jedoch ein Leben retten kann.

Vor zwei Jahren habe ich mit hohen Erwartungen den ersten Teil von Cornelia Funkes neuer Fantasy-Reihe (meine gutmütige Rezension und allgemeine Liebeserklärung an die Autorin lässt sich hier nachlesen) gelesen und war … unentschlossen. Viele der Motive, Ideen und Charaktere in „Reckless – Steinernes Fleisch“ gefielen mir gut, auch wenn sie stark an bekannte Märchen angelehnt waren. Insgesamt erschien mir die Geschichte aber nicht ganz rund. Was genau mich eigentlich gestört hat, ist mir bis heute unklar, aber eines weiß ich sicher: Ich war enttäuscht.

Daher habe ich auch etwas länger als gewöhnlich überlegt, ob ich mir den zweiten Teil überhaupt kaufen sollte. Am Freitag wurde mir die Entscheidung dann jedoch abgenommen, als ich zufällig in einer Buchhandlung über „Reckless – Lebendige Schatten“ stolperte. Ich nahm das Buch erstmal in die Hand und überlegte noch, ob es die 20 Euro wohl wert wäre, als mein Blick auf den dreimal so großen Tisch voller „Fifty Shades of Grey“ Bücher daneben fiel. Allein schon aus Protest gegen die aktuellen Bestsellerzahlen konnte ich daher nicht anders, als mir den neuen Funke zu kaufen.

Und diesmal wurde ich nicht enttäuscht! „Lebendige Schatten“ ist trotz seines bescheuerten Titels (vielleicht kann mir ja jemand, der das Buch auch gelesen hat, erklären, was der Titel mit dem Roman zu tun hat?) eindeutig besser als sein Vorgänger. Die Handlung hat mehr Struktur, ist spannender und die Fortsetzung im nächsten Teil wird eleganter vorbereitet. Die Spiegelwelt, die wir diesmal ausgiebig bereisen, zeigt, dass sie mehr ist, als nur ein Phantasieland, in dem alle unsere liebsten Märchenfiguren Wirklichkeit werden. Auch wenn man immer nur am Rande davon hört, merkt der Leser doch wie die Märchenwelt immer mehr der uns Bekannten nacheifert, wie Magie und Wunder immer mehr durch Industrialisierung und Wissenschaft ersetzt werden und wie die Schätze, nach denen Jacob sucht, immer mehr den Museumsstücken gleichen, zu denen sie in unserer Welt werden.

Und auch Jacob verändert sich. Vielleicht durch die Todesangst, die diesmal ihn selbst betrifft, vielleicht durch die Liebe, die er nur langsam zulässt.

Romantischer, spannender, besser. Ich kann „Reckless – Lebendige Schatten“ allen empfehlen, die sich nach Teil Eins ebenfalls unsicher waren, denn ich freue mich jetzt wieder auf den nächsten Teil!

PS: Ich glaube Cornelia Funke hat für ihre Fans ein kleines Easter Egg im Buch versteckt – ich habe da zumindest etwas gefunden, dass mich schmunzeln lies und etwas in einem ihrer anderen Bücher plötzlich erklärte – Tipp: Seite 22

Laura von ein verhexter ort hat mir vor einigen Wochen folgenden Award verliehen

und da man Dankesreden ja bekanntlich kurz halten soll, gebe ich den Preis (den Regeln folgend) hiermit auch gleich an fünf meiner Lieblings-Blogs weiter:

1. Dann beschuldigt mich halt der Vetternwirtschaft, fest steht trotzdem, dass auf meinem Blog schon seit Ewigkeiten nichts mehr passieren würde, wenn ich nicht mit Sirat den Blog-Deal begründet hätte: Romananfänge, Nanowrimo-Dares, Rollenspielgeschichten und gelegentliche Frustablass-Artikel findet ihr bei ihm.

2. Deborah ist mit ihrem Sommerdiebe-Blog besonders was Fleiß angeht ein großes Vorbild für mich: Bei ihr geht es um Bücher, Filme, Fotographie, Berlin und Oscar Wilde – im Grunde also um alles, was das Leben schön macht!

3. Eine Extra-Nominierung bekommt Deborah auch für den Farbfilmblog, der mich immer mit guten Filpmtipps und Rezensionen versorgt.

4. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, 50 Bücher zu lesen (25 davon aus der „ernsthaften“ Literatur), Miriam von 1001 Bücher – das Experiment geht da noch einen Schritt weiter und begibt sich für die nächsten Jahre auf eine Reise durch 1001 Werke der Weltliteratur – sehr empfehlenswert!

5. Um meine Macht auch zum Guten einzusetzen, verleihe ich den letzten Preis an Kim, die ihn bitte als Aufforderung, wieder mehr zu bloggen, ansieht 😉 Nirgendwo sonst gibt es so herrliche Einträge über unsere Gesellschaft, die kleinen Gemeinheiten des Alltags und die Menschen, die uns auf Bahnfahrten begegnen!