April 2012


Noch ganz im „The Lizzie Bennet Diaries“-Rausch, überfiel mich heute der Gedanke, dass dieses Projekt dringend Nachahmer braucht. Videoblog-Adaptionen berühmter literarischer Werke sollte es öfter in der Welt geben.

Was mir als erstes in den Sinn kam, war natürlich „Der Herr der Ringe“ und kaum war dieser Gedanke in meinem Kopf losgerannt, stieß er auch schon mit einem ebenso hektischen Kollegen zusammen.

Bei youtube trifft man immer wieder auf sogenannte collab-channels, für die sich verschiedene Vlogger zusammentun und gemeinsam einen Kanal mit Videos versorgen. Meistens besetzt dabei jeder der Teilnehmer einen Tag der Woche, sodass Montag-Freitag je ein Video von einer Person hochgeladen wird, die ein abgestimmtes Thema behandeln.

Die Vereinigung beider Gedanken gebar eine Idee: „Der Herr der Ringe“ als collab-channel der Gefährten.

Sam könnte unser Montag sein, uns in der ersten Woche von Bilbos einundelfzigstem Geburtstag und dem Gespräch, das er zwischen Frodo und Gandalf belauscht, berichten. Im Verlauf der Reise wird Sam sicherlich zur wahren Stimme der Vernunft, die sich Sorgen um Ponys und Kartoffeln macht, werden und gelegentlich kann über ihn auch Frodo zu Wort kommen.

Dienstags vloggen Gimli und Legolas in friedlicher Eintracht oder sie beleidigen sich gegenseitig in Sprachen, die der jeweils andere nicht versteht, oder sie schlagen sich gleich die Köpfe ein…

Natürlich wäre auch Boromir ein unersetzlicher Teil der Gefährten (auch wenn er im zweiten Teil wahlweise durch Eomer oder seinen eigenen Bruder ersetzt werden müsste). Wer sonst könnte von den ersten Schlachten um Osgiliath und dem herannahenden Schatten im Osten wissen? Und ein paar kontroverse Meinungen zum Einsatz des Ringes könnte man inmitten der anderen Gutmenschen dringend gebrauchen – Boromir ist also prädestiniert unser Mittwoch zu sein.

Merry und Pippin sorgen am Donnerstag für leichte Unterhaltung, versorgen uns mit den neuesten Theorien über den mysteriösen Streicher, dem ein oder anderen Trinklied und allerlei unbedachten Handlungen und Aussprüchen.

Für den Freitag bleibt die Besetzung offen: Gelegentlich bietet dieser Tag die Möglichkeit für Gandalf vorbei zu schauen, ein paar weise Worte zu sagen und sich ansonsten in Pfeifenrauch zu hüllen. Aragorn kann von mir aus auch ein paar anständige Dinge von sich geben, sein Schwert schwingen oder generell die Moral der Truppe durch Ansprachen erhöhen. Vielleicht schaut ja auch Gollum vorbei und erzählt uns von seinem Schatz.

Soweit meine Idee, wer auch immer Lust hat sie umzusetzen, sei mir willkommen! Ich bin auch gerne bereit, beim Drehbuch zu helfen.

PS: Und wenn wir schon dabei sind: „Der Hobbit“ würde sich natürlich als klassischer one-person-Video-Blog noch viel besser eignen! Und er lässt sich auch mühelos in die heutige Zeit und außerhalb von Mittelerde umsetzen: Ein gemütlicher, mittelalter Mann, der eigentlich nichts als den „guten Morgen“ loben wollte, wird als angeblicher Meisterdieb in ein lebensgefährliches Abenteuer und den Kampf gegen den Kriminellen Smaug hineingezogen – schreibt sich doch von selbst!

Angesichts der Masse an Romanverfilmungen, die heutzutage unsere Kinos erstürmen, und der Buchserien, die zu Fernsehserien werden, war es doch eigentlich nur eine Frage der Zeit bis das (verhältnismäßig) neue Medium youtube auch auf den Adaptionszug aufspringt.

Und welche bessere Vorlage hätten Hank Green und sein Team finden können, als Jane Austens zigfach verfilmtes und verfernsehtes „Pride and Prejudice“?

Anders als Fernsehen und Kino macht die youtube-Version jedoch die Eigenart ihres Mediums zum Programm und präsentiert „Pride and Prejudice“ als interaktiven Videoblog seiner Protagonistin Lizzie Bennet.

Mit Liebe zum Detail und einer begeisterten Gruppe von Produzenten macht youtube mit dieser Weiterentwicklung der Webserie wieder einmal einen Schritt nach vorne auf dem Weg zur Ablösung des Grotten-Fernsehens und das kann ich mit gutem Gewissen unterstützen.

PS: Happy Birthday, Mrs Darcy!

In der Reihe der Bücher, deren Konzept mich mehr als ihr Inhalt lockte (Riggs, Letter Game), ist dieses Werk von Mark Z. Danielewski bisher definitiv das faszinierendste.

Inhaltlich erzählt „House of Leaves“ eine Horror-Geschichte (ein Genre von dem ich mich gewöhnlich fernhalte): Um ihrer Beziehung mehr Zeit einzuräumen, ziehen der Fotograf Will Navidson und seine Partnerin Karen mit ihren gemeinsamen Kinder in ein kleines, gemütliches Haus in Virginia. Navidson, der ganz ohne Arbeit nicht leben kann, beschließt aus ihrem Einzug in das neue Haus ein Filmprojekt zu machen und installiert in allen Räumen Kameras, die ihr tägliches Ein und Aus filmen sollen. Nach einem Wochenende bei Verwandten kehrt die Familie in ihr neues Heim zurück und stellt fast, dass zwischen dem elterlichen Schlaf- und dem Kinderzimmer ein mysteriöser, schwarzer Raum aufgetaucht ist. Navidson beginnt das Haus auszumessen – mit dem Ergebnis, dass es innen größer als außen ist – und als im Erdgeschoss eine Tür auftaucht, die in einen dunklen, scheinbar endlosen Korridor ins Nichts führt, startet er (ausgestattet mit Kameras und guten Freunden) eine Expedition in die Dunkelheit.

Diese klassische Horrorfilm-Prämisse, die tatsächlich filmisch besser repräsentiert wäre, wird im Roman durch verschiedene textliche Ebenen erweitert:

Die Geschichte der Familie wird als Nacherzählung des letztendlich enstandenen Films „The Navidson Record“ präsentiert. Dieser wiederum ist Gegenstand einer Analyse, die der Schriftsteller Zampanó unter Verwendung allerlei anderer Sekundärliteratur über das legendäre Filmprojekt schreibt. Zampanós Analyse wird nach dessen Tod von einem jungen Mann namens Johnny Truant gefunden, der die Fragmente des alten Schriftstellers ordnet und ob ihres Inhalts langsam aber stetig demselben Wahn wie Zampanó zu verfallen scheint. Der von Johnny strukturierte und mit persönlichen Fußnoten versehene Text fällt schließlich den Verlegern des Buches in die Hände, die das Werk (ebenfalls unter Zugabe einiger erklärender Fußnoten) publizieren.

Der Leser liest somit Danielewskis Roman, der die von „The Editors“ annotierte Herausgabe von Johnnys personalisierter Wiedergabe von Zampanós Analyse von Will Navidsons Film ist.

Diese Verschachtelung von Erzählern ist jedoch nicht das faszinierende Konzept des Buches, das mich dazu gebracht hat es trotz seines Inhalts zu lesen. Wen diese narrative Komponente allerdings schon überfordert, der sollte sich von „House of Leaves“ besser fernhalten.

Das wirklich originelle Konzept des Romans ist die (häufig anstrengende) Art, in der man es lesen muss:

Ab dem Zeitpunkt, zu dem die Männer ihre erste Expedition in den dunklen Korridor starten, verändert sich der Text gemeinsam mit dem Inhalt auch optisch. Mit den Protagonisten liest sich der Leser über Fußnoten, farbige Abschnitte und Texte in Spiegelschrift immer weiter in das Unerforschte hinein. Bis er schließlich erkennt, dass nicht nur das Haus ein Labyrinth ist…

 

„House of Leaves“ ist ein Monster von einem Buch – auf allen Ebenen. Mit über 700 Seiten, Fußnoten für Fußnoten und dem oben dargestellten Textbild fordert es von seinem Leser absolute Konzentration und Hingabe. Belohnt wird man mit einem wahrhaft einmaligen Leseerlebnis und der Angst vor der eignen Badezimmertür.

Kategorien von „gut“ und „schlecht“ kann ich bei Danielewskis Werk nicht mit gutem Gewissen anwenden, da es gleichzeitig beruhigend langweilig und grauenvoll spannend ist. Mein Urteilsspruch lautet daher: Faszinierend.

Ich nahm meinen letzten Atemzug und flüsterte ein schnelles „Bitte ess… iss…? Ach, verflucht!“ Der Drache blinzelte mich verwirrt an. Für einen Augenblick starrten wir uns gegenseitig in die Augen, dann begann ich aus vollem Halse um Hilfe zu schreien.

Diesmal schienen die Götter mir freundlich gesinnt zu sein, denn mein Schrei drang direkt in den Gehörgang der Bestie, die von meiner Lungenkapazität gänzlich überrumpelt wurde. Der Drache wandte den Kopf ab und versteckte seine Ohren hinter einem schützenden Flügel.

Die Verwirrung des Monsters musste ich nutzen. Ich duckte mich gewandter als jeder Ninja unter dem massigen Körper der Bestie hinweg, rollte mich elegant ab und ging zum Angriff über. Zumindest war das der Plan.

Das Ducken vollführte ich noch mit ungeahnter Reaktionsgeschwindigkeit, beim Abrollen blieb mein Fuß an einer Kralle hängen, eine zweite Kralle drückte sich auf meinen Torso und mein Angriff endete in einer wilden Kombination aus Strampeln, halbherzigen Faustschlägen und panischem Kreischen. Kein Säugling hätte es besser machen können.

Der Drache, dem die Geräusche aus meinem Mund weit mehr missfielen als meine lächerlichen Befreiungsversuche, erhob sich über mir – seine gewaltige Pranke noch immer auf meine Brust gedrückt – zu voller Größe, spannte die Flügel und erwiderte meinen Schrei: „Haaaaaaaaalt’s Maaaaaaaaul!“

1. Ich lies mich von solch groben Anfahrungen natürlich nicht einschüchtern und schrie mutig weiter die Nachbarschaft zusammen.

2. Mir entfuhr ein unabsichtliches „‚tschuldigung“.

3. Ich tauschte den wortlosen Schrei gegen ein hoftaugliches „Aber bitte nicht in diesem Ton, Freundchen!“ und warf dem Drachen einen tadelnden Blick zu.

Mit einem Kommentar entscheidest du, lieber Leser, was unserem Helden passiert, also wähle mit Bedacht, sein Leben liegt in deinen Händen. Kommentare, die bis Freitag eingehen, zählen – bei Gleichstand entscheidet der Würfel oder der überzeugendste Kommentar!

Im Angesicht des Untiers gab es nur eins, das ein wahrer Held wie ich tun konnte: Rasch rappelte ich mich auf, spannte die Muskeln, holte weit mit meiner Schwerthand aus… und zwickte mich mutig in den eigenen Arm.

Mein vor Kraft strotzender Kniff, der von dem verzweifelten Wunsch wieder im warmen Bett zu erwachen unterstützt wurde, überraschte mich selbst so sehr, dass mir ein unbedachtes „Sapperlott noch mal“ entfuhr und der Schmerz mir Tränen in die Augen trieb. Vielleicht kamen die aber auch von der Rauchwolke, die der rote Lindwurm mir als Antwort auf meinen Aufschrei entgegenhauchte.

Hustend stolperte ich einige Schritte zurück und stieß mit dem Rücken gegen eine Hauswand. Aus dem grauen Dunst schob sich mir die schreckliche Fratze des Monsters entgegen. Seine blutunterlaufenen Augen funkelten gefährlich, neben mir grub sich eine gewaltige Pranke mit scharfen Krallen in den Stein, der Rachen der Bestie öffnete sich und offenbarte mehrere Reihen blitzender Reißzähne.

Ich nahm meinen letzten Atemzug und…

1. …begann aus vollem Halse um Hilfe zu schreien.

2. …flüsterte ein schnelles „Bitte ess mich nicht“.

3. …duckte mich gewandter als jeder Ninja unter dem massigen Körper der Bestie hinweg, rollte mich elegant ab und ging zum Angriff über.

Mit einem Kommentar entscheidest du, lieber Leser, was unserem Helden passiert, also wähle mit Bedacht, sein Leben liegt in deinen Händen. Kommentare, die bis Freitag eingehen, zählen – bei Gleichstand entscheidet der Würfel oder der überzeugendste Kommentar!