Norbert nahm seine letzten Nerven zusammen und stapfte nachdenklich durch den nebelbehangenen Neuschnee. Natürlich hatte er vorgehabt, wie jeden Tag, bereits nachmittags den Nordpol zu erreichen und dort auf Niklaus zu warten bis es Nacht wurde. Aber der Nebel und die Nässe hatten ihn nicht schneller vorankommen lassen. Die Kälte lies Norberts Nase gefrieren und die Nahrung in dem Netz, das die Nonne ihm für den Notfall mitgegeben hatte, war längst zur Neige gegangen.

Naiver Narr, nannte Norbert sich selbst: Natürlich würde Niklaus nicht zum Nordpol reisen, nicht nur wegen seiner nichtssagenden Notiz. Niemand normales würde das.
Notwendig war Norberts Nachricht trotzdem gewesen, er hatte Niklaus neugierig machen wollen. Nur ihre zwei Namen, November und Nordpol, er konnte es nicht riskieren mehr zu nennen.

Doch der November neigte sich seinem Ende zu, die Neujahrsnacht stand bald bevor und Niklaus war noch immer nirgends zu sehen. Norbert lief die Zeit davon, wenn Niklaus nicht heute Nacht kam, wäre sein ganzer Plan nichtig.

Niesend zog Norbert den lange schon nicht mehr nagelneuen Mantel fester über seinem narbenübersäten Körper zusammen, verdrängte seine neidischen Gedanken an Wärme und nahm die letzten Schmerzen in Kauf. Der Nordpol war nun ganz nah, nirgendwo sonst nahm der Niederschlag Norbert so sehr die Sicht wie an diesem nutzlosen Ort.

Norbert blinzelte, seine Nachtsicht mochte ihn necken, aber kam dort nicht eine Gestalt aus dem Nebel näher.
Na, dachte Norbert, Niklaus war nun doch gekommen.

Niklaus: Nichts Neues am Norpol in der Nacht

 

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