März 2012


Der Drache kam aus dem Nichts. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur sagen, dass die Nacht zu kurz gewesen war und der Morgen mir wie ein Gewicht auf den Schultern hing, als ich die kleine Gasse zum Nordturm hinauf kletterte. Den Kopf vom schweren Eisenhelm noch zusätzlich hinab gedrückt, sah ich meinen Füßen bei ihrer anstrengenden Arbeit zu, während meine Gedanken dem warmen Kissen, das ich gerade verlassen hatte, zuflogen.
Fliegen, wenn auch eher schlecht als recht, tat auch das Ungetüm, bis es meinen Weg mit seiner plötzlichen Bruchlandung versperrte. Die schiere Wucht seines Aufpralls und etliche Extremitäten, die es mir entgegen schleuderte, ließen mich haltlos hintenüber fallen und einige der gerade erklommenen Meter wieder hinab rollen.
Dort lag ich, vier oder fünf Schritt von der roten Masse entfernt, mit wild klopfendem Herzen und zitternden Händen. Wach war ich nun, doch was sollte ich tun?

1. Mein Schwert zücken und das Untier angreifen, ehe es sich von seinem Sturz erholen kann?
2. Weglaufen und meine Nachbarn oder zumindest den Gardehauptmann alarmieren?
3. Mich in den Arm zwicken und hoffen, wieder im warmen Bett aufzuwachen?

Mit einem Kommentar entscheidest du, lieber Leser, was unserem Helden passiert, also wähle mit Bedacht, sein Leben liegt in deinen Händen. Kommentare, die bis Freitag eingehen, zählen – bei Gleichstand entscheidet der Würfel oder der überzeugendste Kommentar! 

Norbert nahm seine letzten Nerven zusammen und stapfte nachdenklich durch den nebelbehangenen Neuschnee. Natürlich hatte er vorgehabt, wie jeden Tag, bereits nachmittags den Nordpol zu erreichen und dort auf Niklaus zu warten bis es Nacht wurde. Aber der Nebel und die Nässe hatten ihn nicht schneller vorankommen lassen. Die Kälte lies Norberts Nase gefrieren und die Nahrung in dem Netz, das die Nonne ihm für den Notfall mitgegeben hatte, war längst zur Neige gegangen.

Naiver Narr, nannte Norbert sich selbst: Natürlich würde Niklaus nicht zum Nordpol reisen, nicht nur wegen seiner nichtssagenden Notiz. Niemand normales würde das.
Notwendig war Norberts Nachricht trotzdem gewesen, er hatte Niklaus neugierig machen wollen. Nur ihre zwei Namen, November und Nordpol, er konnte es nicht riskieren mehr zu nennen.

Doch der November neigte sich seinem Ende zu, die Neujahrsnacht stand bald bevor und Niklaus war noch immer nirgends zu sehen. Norbert lief die Zeit davon, wenn Niklaus nicht heute Nacht kam, wäre sein ganzer Plan nichtig.

Niesend zog Norbert den lange schon nicht mehr nagelneuen Mantel fester über seinem narbenübersäten Körper zusammen, verdrängte seine neidischen Gedanken an Wärme und nahm die letzten Schmerzen in Kauf. Der Nordpol war nun ganz nah, nirgendwo sonst nahm der Niederschlag Norbert so sehr die Sicht wie an diesem nutzlosen Ort.

Norbert blinzelte, seine Nachtsicht mochte ihn necken, aber kam dort nicht eine Gestalt aus dem Nebel näher.
Na, dachte Norbert, Niklaus war nun doch gekommen.

Niklaus: Nichts Neues am Norpol in der Nacht

 

Nach „Prop 8 – The Musical“ jetzt der neuste Hollywod-Gay-Rights-Hit!

Ja, es ist lang für ein youtube-Video, aber dafür besser als so mancher Kino-Film, der einem sonst den Abend vertreibt. Grandiose Schauspieler (Kevin Bacon, Chris Colfer und natürlich John C. Reilly FTW), gutes Drehbuch, basierend auf tatsächlichen Aussagen, bewegendes Thema, was will man mehr…

… Equality for starters.

…einem Ich-Erzähler, der uns nach Strich und Faden belügt.

Vielleicht kein gänzlich origineller Gedanke, schließlich gab es im 17. Jahrhundert eine ganze literarische Gattung (und im Grunde gab es damals in der Prosa nur drei davon), die solchen Helden gewidmet war: Der Schelmenroman

Aber wäre es nach Simplicissimus, Schelmuffsky, Till Eulenspiegel, den Schildbürger, Baron von Münchhausen und natürlich Käpt’n Blaubär nicht mal nett einen solchen Hochstapler in unserer modernen Belletristik auszusetzen, einen vorsätzlichen Forrest Gump des 21. Jahrhunderts?

 

Meine 50:50-Resolution führt mir dieses Jahr einige Bücher zu, die ich weniger aufgrund ihres Inhalts, sondern eher aufgrund des Konzepts, das dahinter steht, gekauft habe. Ähnlich dem „Enchanted Choclate Pot“ las ich so auch diese Woche wieder ein Buch, dessen Entstehungsgeschichte seinen Inhalt aufwertet.

Das vorherige Buch entstand aus Briefen, dieses aus Bildern, alten Fotos um genau zu sein.

Ransom Riggs (ganz ehrlich, mit so einem Namen muss man ja auch Künstler werden) „Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“ (zu deutsch: „Die Insel der besonderen Kinder“) erzählt von der Entdeckung eines Teenagers, der als Kind von seinem Großvater fantastische Geschichten über Kinder mit magischen Fähigkeiten erzählt bekam und nach dessen Tod feststellt, dass sie alle wahr waren.

Der Inhalt ist, wie auch beim „Choclate Pot“, vorhersehbar, der Roman an sich sprachlich und atmosphärisch gut, aber nicht außergewöhnlich  – das Besondere sind die Bilder, die nicht nur die Inspiration für Riggs Geschichte bildeten, sondern die als Abdrucke im Text auch immer wieder neue Dimensionen für den Leser eröffnen.

Die alten Fotos, die Riggs auf Flohmärkten, und bei anderen Sammlern fand, sind nicht bloß die Illustrationen zu einem Roman. Vielmehr ist gerade anders herum Riggs Geschichte eine mögliche Interpretation der ursprünglichen Fotos.
Die Bilder stehen hier am Anfang, sie erzählen mehr und vermutlich vollkommen andere Geschichten (jedes für sich), als der Zusammenhang des Romans es vermag.

Ich selbst hatte von dem Buch aus verschiedenen Quellen erfahren und es mir gekauft und halb durch gelesen, ehe mir klar wurde, dass ich den Autor bereits kannte. Und dass sein Hobby, aus dem dieses Buch entstanden ist, mich bereits vorher schon beeindruckt hat:

Mein Urteil ist daher: „Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“ ist schnell verschlungen, kreativ und angenehm gruselig, aber kein „Das-musst-du-lesen“, das ich jedem empfehlen würde –  Ransom Riggs dagegen (und nicht nur des tollen Namens wegen) werde ich definitiv im Auge behalten und seinen youtube-Kanal, auf dem viele andere ebenso schöne Videos wie das obere zu finden sind, lege ich euch hiermit ans Herz.

PS: Auch bei diesem Autor hat der Fluch des „Three-Book-Deal“ wieder zugeschlagen und er arbeitet bereits an der Fortsetzung – meine Meinung dazu muss ich wohl nicht wiederholen…