Um dem natürlichen Lauf der Fortsetzungen zu folgen, möchte ich nun noch ein letztes Beweisstück hervorbringen: Beweisstück B – Den Film!

Das Motto „Ein schöner Film, schade, dass es davon keine Fortsetzung gibt!“ trifft heutzutage leider auf fast keinen Kinofilm mehr zu. Was gut läuft wird früher oder später zu einer Franchise erklärt und in die Sequel-Maschine geworfen, die dann aus dem künstlerischen Wert von Drehbuch, Schauspielern und Filmemachern Fließband-Fortsetzungen macht.

Im Filmbetrieb sehe ich eine ähnliche Unterteilung, wie die, die für die Literatur gilt:

1. Solche, die eine Geschichte auf mehrere Filme aufteilen (Der Hobbit)

2. Solche, die einen Film gemacht haben und dann anfangen Fortsetzungen zu drehen.

            2.1. Die, bei denen die Fortsetzungen dann zu Kategorie 1 gehören (Fluch der Karibik 2+3)

            2.2. Die, deren Fortsetzungen auch eigenständige Filme sind, die in sich Anfang und Ende   haben (Film-Serien wie Shrek, Ice Age, Underworld, Sherlock Holmes, praktisch sämtliche             Horror-Filme – um nur die zu nennen, die gerade im aktuellen Programm herumgeistern)

Das Rezept ist auch hier das gleiche wie in der Literatur: Hat man einen Hit gelandet und einen Film gemacht, der nicht nur gut ist, sondern den auch jeder sehen will, macht man nicht einfach nur eine Fortsetzung, nein man macht gleich zwei und nennt das Ganze dann Trilogie!

Fluch der Karibik 2+3 ist ein Film. Matrix 2+3 ist ein Film. Aber die klugen Studiobosse haben die Chance erkannt den Kinobesucher zwei Mal für einen Film zahlen zu lassen und sie natürlich auch ergriffen.

Nachdem die Macher der Harry-Potter-Filme den letzten Band aus keinem anderen Grund als der puren Geldgier auf zwei Filme aufgeteilt haben, zögerten auch die Produzenten der Twilight-Franchise nicht, diese geniale Idee sofort zu kopieren und säbelten „Breaking Dawn“ noch unverdienter in zwei Hälften (zumal „Breaking Dawn“ im Gegen teil zu „Deathly Hallows“ auch schon auf der Fortsetzung eines Buches basiert, das keine Fortsetzungen hätte haben sollen).

Seitdem ist das Zerteilen von Geschichten, deren Spannungsbogen nur für einen Film reicht, Gang und Gebe. Die Produzenten der kommenden Hunger-Games-Verfilmungen (für das Buch gilt Gleiches, wie für die Twilight-Nachkommen) drohen bereits vorm Erscheinen des ersten Teils damit, dass sie Teil drei in zwei Filmen herausbringen wollen. Auch „Der Hobbit“ ist (und ja, Ausnahmen bestätigen hoffentlich die Regel) ebenfalls fest als Zweiteiler geplant.

Im Film findet die Fortsetzungs-Folter ihren Höhepunkt: Wenn Filme wie „Breaking Dawn“, deren Vorlage eigentlich schon das Kaugummi-Produkt eines Sequel-Fleischwolfes ist, in zwei Teilen produziert werden, wenn Charaktere wie Captain Jack aus „Fluch der Karibik“ nicht auf ihrem Podest in Frieden altern dürfen, sondern so lange wieder und wieder mit heißem Wasser übergossen werden, bis sie gar keinen Geschmack mehr abgeben, wenn ein „2“ hinter jedem zweiten Filmtitel bei Kinostarts steht – Dann ist das Ende erreicht, dann hab ich die Schnauze voll, dann wird es Zeit, dass Autoren ihr Werk über Verlegerdruck und Geldsucht stellen und seine Integrität wahren, indem sie keine Fortsetzungen mehr schreiben!

Ernsthaft, hört auf mit dem Scheiß!

Und wenn du, lieber Leser, nun denkst: Hättest du das uns nicht auch knapper und in einem Eintrag darlegen können? Dann lass mich dir mit Aischylos antworten: Ich tat es nur, damit du von meinem episch-langen Eintrag nicht gelangweilt wirst. Und um dein Hinterteil zu schonen.

Ich will kein Geld von dir, ich spanne dich nicht auf die Folter, ich zerstöre keine Einheit und ich kann meine Dreiteilung inhaltlich und stilistisch untermauern – wer von seinem Werk dasselbe sagen kann, der hat meinen Segen eine Fortsetzung zu schreiben/filmen!

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