Nachdem wir von unserem Zeugen gehört haben, dass wie so vieles auch die Fortsetzung ein Verdienst der Antike ist, möchte ich nun mein erstes Beweisstück anführen: Beweisstück A – Die Literatur!

Grundsätzlich sehe ich drei Arten von Fortsetzungsgeschichten:

1. Solche, die in einem Buch nicht fertig werden und dieselbe Geschichte in Band Zwei weitererzählen (Martin: Song of Ice and Fire)

2. Solche, die nach der Veröffentlichung eines eigenständigen Ein-Teilers geschrieben werden

            2.1. Die, bei denen die Fortsetzungen dann zu Kategorie 1 gehören (Funke: Tintenwelt)

            2.2. Die, deren Fortsetzungen auch eigenständige Romane sind, die in sich Anfang und Ende haben (Rowling: Harry Potter)

Passend zu meinen drei Typen ist in der Literatur drei die magische Zahl. Daher werden Fortsetzungsgeschichten gerne zu Trilogien und Verleger reagieren auf die neuen Buchvorschläge ihrer Autoren heutzutage scheinbar reihenweise mit „Gute Idee, machen Sie doch einen Dreiteiler draus!“

Trilogie klingt gut. Trilogie verkauft sich gut. Ist Band eins gut, ist es vollkommen egal, ob Band zwei und drei grottenschlechte Kaugummi-Fortsetzungen einer bereits in einem Band abgeschlossenen Geschichte sind, die den Wert des Romans in gleichem Maße mindern, in dem sie seine Seitenzahl erhöhen. Wer Band Eins gut fand, kauft auch Band Zwei und wer Band Zwei gekauft hat, muss Band Drei kaufen, da er sonst nie erfährt, wie die Geschichte ausgeht.

Gerade mein geliebtes Fantasy-Genre ist von dieser Seuche besonders befallen, was natürlich daher kommt, dass die Mutter aller Trilogien auch die Mutter aller Fantasy Romane ist.

Und gerade am Ursprung erkennt man den Fehlverlauf: Tolkien verstand den „Herrn der Ringe“ als einen Roman, ein Buch. Sein Verleger teilte das Manuskript der ursprünglichen sechs Bände in drei Teile und schaffte somit die Trilogie, als die der Roman heute berühmt ist. Warum Tolkien seine Geschichte als eine Geschichte verstand, liegt auf der Hand: „Der Herr der Ringe“ mag lang und abschweifend und um nichts epischer als Aischylos Tragödien sein, aber er erzählt eine zusammenhängende Geschichte, die keine eigenständigen, voneinander trennbaren Teile hervorbringt.

Tolkiens Verleger hörte jedoch nicht auf die Proteste des Autors, er war zu beschäftigt über Papierpreise nachzudenken, trennte das Werk und schuf damit die Grundlage für den Trilogie-Terror, der in der modernen Fantasy-Literatur wütet:

Collins [The Hunger Games], Funke [Tintenwelt-Trilogie], Gier [Edelstein-Trilogie], Grevet [Méto], Isau [Neschan-Trilogie], Meyer [Merle-Trilogie], Paolini [Eragon], Pullman [His Dark Materials], Rothfuss [Kingkiller Chronicles] – Sie alle hatten Potential, oder gute erste Bände und fielen dann dem Trilogie-Virus, dem Druck der Verleger oder dem Geldrausch zum Opfer.

Gerade im Fantasy-Genre gibt es natürlich auch solche Autoren, die (ähnlich dem Zeitungsroman) jedes Jahr oder alle zwei Jahre einen neuen Band einer scheinbar unendlichen Geschichte herausbringen. Martins „Song of Ice and Fire” war ursprünglich als Trilogie geplant, aber drei Bände reichten dem Autor einfach nicht aus um zum Ende zu kommen. Jetzt soll es ein Siebenteiler werden. Ein ähnliches Schicksal sehe ich schon für Patrick Rothfuss und seine „Kingkiller Chronicles“ voraus.

Doch mein Problem mit diesen endlos-Geschichten ist, dass ich einfach irgendwann die Lust verliere. Wenn es keinen Spannungsbogen mehr gibt, wenn immer wieder dasselbe passiert (Rothfuss) oder plötzlich Leute sterben, die die Geschichte gebraucht hätte, um zum Ende zu kommen (Martin) oder wenn ich merke, dass jeder neue Plotpunkt nur ein riesiger Felsbrocken ist, den der Autor seinen Protagonisten in den Weg wirft, weil er selber nicht weiß, wie die Straße dahinter weitergehen soll, dann nützen auch die beste Schreibe und die schönsten Nebencharaktere nichts mehr, dann hör ich irgendwann auf zu lesen.

In der Literatur (und insbesondere in der modernen Fantasy-Literatur) ist daher Aischylos Ursprungs-Idee, um der Geschichte Willen und zum Wohle des Publikums die Fortsetzung einzuführen, zur hässlichen und geldgierigen Plotdehnerei mutiert.

Weiter geht es in: Fortsetzungs-Folter: Teil 3 – Das Finale im Film

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