Als der Vorschlag, die Weihnachtsferien mit der gesamten Familie in einem Ferienhaus in Dänemark zu verbringen, das erste Mal ernsthaft diskutiert wurde, konnte keiner der Anwesenden die schrecklichen Ereignisse voraussehen, die an den kommenden Festtagen den gesamten Clan erschüttern würden.

Im Grunde, so wurde der Plan den skeptischen Kindern verkauft, würde es ein Weihnachten wie jedes andere sein, nur dass man eben nicht zu Hause, sondern mit allen Verwandten zusammen in einem großen geräumigen Haus an der Küste feiern würde. Ansonsten hielt man sich an die eintrainierten Abläufe der letzten Jahre.

Doch wie viele Katastrophen wäre auch diese nicht eingetreten, wenn man den Stein des Anstoßes nicht durch eine weitere Änderung ins Rollen gebracht hätte.

Es war nicht, dass der Baum wie gewöhnlich schief stand, seine natürlich grüne Spitze abgesägt und durch eine künstliche Plastik-Goldspitze ersetzt wurde, ja nicht einmal die Tatsache, dass schockierend und vollkommen geschmacklos bunt geschmückt wurde, brachte mehr als den üblichen Weihnachtsstreit mit sich. Der Tradition folgend zoffte man sich auch über die Auswahl der viel zu rockigen und unweihnachtlichen Weihnachtsmusik, die militärisch geplanten Einkaufsexkursionen und die simple Frage, ob die Christmesse besser zu Fuß oder mit dem Auto erreicht werden würde.

Alle diese Dinge verliefen wie immer und verursachten keine Schäden, die nicht bis zum Neuen Jahr wieder repariert werden konnten. Doch noch etwas außer dem neuen Ort und der ungewohnten Menschenmenge war dieses Jahr anders. Bereits im Oktober hatte das Familiengericht getagt und nach längerer Diskussion beschlossen, der Tradition in einem weiteren Punkt den Rücken zu kehren und testweise die Geschenke abzuschaffen.

Und die Tradition war es, die sich rächen würde.

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