Januar 2012


Die SPIEGEL-Bestsellerliste ist die bekannteste deutsche Konkurrenzplattform für Bücher. Auch ich werfe immer wieder einen Blick auf die rot umrandeten Plakate in Buchhandlungen und wundere mich meistens über die Titel, die dort ganz oben stehen. Aber manches Mal bewegt mich ein unbekannter Titel/Autor an der Spitze doch dazu, ein Buchen zu kaufen/lesen, an dem ich sonst vorbeigegangen wäre.
Und auch wenn es bei mir nur ab und zu funktioniert, die SPIEGEL-Bestsellerliste ist ein Marketing-Werkzeug, das den sich ohnehin schon gut verkaufenden Büchern noch zusätzlichen PR-Anschub gibt.
Der Bestsellerlisten-Aufkleber, die Aktionsecke in Buchhandlungen, der Sonderaufsteller in Bibliotheken – all das sorgt für einen Wettbewerbscharakter, der uns vorgaukelt, dass es sich bei den Ausgezeichneten Büchern um Qualität handelt.

Die über 40 Jahre alte Liste wird jetzt – zum 1.Juli – derart umgestellt, dass nur noch Hardcover-Ausgaben von Neuerscheinungen in sie aufgenommen und sämtliche Taschenbücher – auch Originalausgaben – in die SPIEGEL-Online-Liste verbannt werden.
Diese Veränderung ist eine Reaktion auf die zunehmende Listen-Erstürmung der Paperback-Bücher, die (so buchreport.de) angeblich „bei Buchkäufern für Irritationen gesorgt [hat] und […] auch in der Buchbranche kontrovers diskutiert [wurde]“.

Der Buchreport hat daher im vergangenen Herbst eine Umfrage unter Bestsellerverlagen und Buchhandlungen durchgeführt, deren Ergebnis war, dass sich „alle Gruppen […]darin jeweils mehrheitlich dafür ausgesprochen [haben], dass auf die SPIEGEL-Bestsellerliste nur „echte“ Hardcover gehören“.

Der Grund, warum Taschenbücher nicht länger zu den „echten“ Neuerscheinungen zählen dürfen? Sie sind billiger.

Die Umstellung der Liste desavouiert, dass überhaupt kein Interesse daran besteht, die Bücher inhaltlich miteinander konkurrieren zu lassen, denn, wer nicht in die selbe Preisklasse gehört, darf von nun an gar nicht mehr antreten.

Eine schon beinahe lachhaft ironische Folge dieser Umstellung ist, dass der dtv – der Deutsche TASCHENbuch Verlag – nun Hardcover Bücher herstellen wird, um „deren Marktpräsenz nicht zu gefährden“ (Balk: dtv-Chef, focus.de).

Daher wird es die Spitzentitel, die eine Platzierung auf der Bestsellerliste erreichen können, nun für etwas mehr Geld im Hardcover-Format geben und sich daher rein inhaltlich gesehen auf der Liste nichts ändern. Nur Preislich eben. Und da die Unterschiede in den Produktionskosten für Verlage kaum ausschlaggebend sind, auch nur für den Endkunden.

Das neue Medium e-book wird dabei noch zur Gänze ignoriert. Wie Verlage und Buchhändler, die ja von der unfairen Übervorteilung des Taschenbuchs schon Kopfschmerzen bekamen, auf den billigen digitalen Neuen reagieren werden, will ich mir gar nicht vorstellen.

Die Umstellung der Liste ist ein weiterer Meilenstein auf der zunehmend enttäuschenden Entwicklung des deutschen Buchmarktes und sagt meiner Meinung nach über sie und ihre Hersteller nur eines aus: Es geht nicht um den Inhalt, es geht um den Preis – Und das hätte doch wirklich nicht sein müssen.

So weit, so gut: Eine Woche, drei Bücher – das klingt doch nach einem famosen Start. Und es wäre auch einer, wenn da nicht die kleine Tatsache, dass alle gelesen Werke eher der „Schund“-Kategorie zuzuordnen sind, wäre. Von der vergangenen Woche ausgehend, nehme ich jetzt an, dass ich früher als erwartet das Richtfest erreichen werde, dann aber für den Rest des Jahres hohe/anstrengende/schwer verdauliche Literatur lesen „muss“ – zumindest wenn ich meinem frisch gefassten Vorsatz nicht untreu werden will.

Das letzte Buch, das ich verschlungen habe, war „Sorcery and Cecilia or The Enchanted Choclate Pot“ eine Liebesgeschichte in Briefform, die im Regency-England, wie wir es von Jane Austen und Georgette Heyer kennen, spielt, mit der kleinen aber feinen Ergänzung, dass in der Welt der Autorinnen Patricia Wrede und Caroline Stevermer Zauberei Gang und Gebe ist – wenngleich sie auch nicht für jeden zum guten Ton gehört.

Auch wenn der Roman sehr zu empfehlen ist und er mich unter der Woche gut unterhalten hat, gehört er doch eigentlich nicht zu der Art von Büchern, für die ich hier eine Rezension schreiben würde. Erwähnt werden muss er aber aufgrund seines Nachwortes, in dem die beiden Co-Autorinnen erzählen, dass dieses Buch durch ein Letter-Game entstanden ist.

Ein Letter-Game ist, so erläutern sie, ein Spiel zwischen zwei Personen, die sich jeweils eine Figur ausdenken und dann dem anderen aus der Perspektive dieses fiktiven Charakters Briefe schreiben. Plot und Charaktere dürfen dabei nicht außerhalb des Briefwechsels besprochen werden und alles was an Handlung passiert, muss sich daher im Austausch organisch entwickeln. Der erste Brief bestimmt Ort und Zeit der Handlung und präsentiert einen Grund, warum die beiden Figuren sich regelmäßig Briefe schreiben müssen. Von da an wird frei improvisiert und auf die Briefe des anderen aufgebaut.

Man kann (wie mancher Rezensent es auch tut) das Buch nun aufgrund seiner Entstehung verurteilen: Ja, es fehlen die Planung und die Struktur, die ein Roman, der nicht derart chronologisch entstanden ist, hätte. Ja, manche Charaktere wechseln allzu schnell ihre Flaggen. Ja, im Grunde werden zwei Geschichten erzählt, die sich ein wenig zu sehr ähneln.

Meiner Meinung nach entschuldigt und erklärt dieses Nachwort allerdings Vieles, dass ich eher auf die Seite der Schwächen des Buches gestellt hätte: Natürlich kommt einem Person X anfangs sympathisch vor, die Autorinnen wussten selber noch nicht, dass sie ein Bösewicht ist. Natürlich wirken manche Erzählfäden leicht zerstückelt im Wechsel von Briefschreiber A zu Briefschreiber B, keiner der Autorinnen wusste, worauf die andere mit diesem oder jenem Hinweis genau hinaus wollte und sich out-of-character darüber unterhalten, durften sie nicht.

Aber gerade diese Art der Plot-Entwicklung passt zu dem Erzählten: Kate und Cecilia (die beiden fiktiven Briefeschreiberinnen) wissen ja auch nur das, was sie der jeweils anderen gerade berichten. Sie sind keine allwissenden Autoren, die das Ende bereits voraussehen und gerade dadurch ermöglichen sie es dem Leser, ihre Entwicklung hautnah mitzuverfolgen: Wenn sie Person X für grundanständig halten, halten wir Person X für grundanständig – beginnen sie an ihrem Charakter zu zweifeln, beginnen wir es.

Die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte des Romans, machte dieses Buch zu einem der wenigen, die ich, gleich nachdem ich es durch war, noch einmal von vorne begann: Und diesmal achtete ich nicht länger primär auf den Inhalt, sondern verfolgte die Entwicklung mit, hinter der der tatsächliche Briefwechsel der Autorinnen stand. Alle meine vorherigen Vorbehalte lösten sich beim erneuten Lesen auf und so kam es, dass ein zuvor schon gutes Buch durch sein Nachwort in die Klasse der Fünf-Sterne erhoben wurde.

Nur eine Frage bleibt mir noch zu stellen: Wer spielt mit mir ein Letter-Game?

*schaut erwartungsvoll in die Runde*

Ein weiterer Vorsatz für das junge Jahr kam zu mir, als ich meinen Feierabend zwischen den schönsten Wühltischen Berlins (denen, die mit reduzierten Büchern gefüllt sind) verbrachte und mich anschließend mit tanzenden Schritten und einer Tüte voller neuer Wälzer, die mir das Wochenende versüßen sollten, auf den Nachhauseweg machte.

Da verschiedene Aktionen des letzten Jahres (Blog-Deal, Nanowrimo) bewiesen haben, dass ich unter Druck (selbst wenn er auch nur selbst auferlegt ist) besser oder zumindest fleißiger arbeite, nehme ich mir für dieses Jahr noch eine weitere Herausforderung vor:

50 Bücher in einem Jahr – Wobei zwei Wochen ja bereits verstrichen sind bevor ich diesen Entschluss gefasst hatte – mathematisch korrekt wären es also 50:50 und das klingt ja auch viel schöner…

Eine weitere Einschränkung lege ich mir noch auf, allein schon damit ich mir nicht nach 50 Fantasy Schmökern stolz auf die Schulter klopfe und die Aktion für beendet erkläre:

Für jedes Buch, das in meine persönliche „Schund“-Kategorie gehört – also eher zu leichten Literatur zählt – muss zum Ausgleich auch ein anspruchsvolles Werk gelesen werden (dabei geht es nicht um gut oder schlecht, sondern einfach darum, dass ich die lange Lister der „sollte ich mal lesen“-Bücher und der geduldig wartenden Klassiker in meinem Bücherregal abzuarbeiten beginne)!

Über Erfolg und Misslingen kommt hier dann spätestens am Ende von 2012 ein update, aber zwischendurch gibt’s bestimmt auch die eine oder andere Rezension.

Wieder hat ein neues Jahr begonnen und wieder wird es Zeit für eine Reflexion der vergangenen Blog-Monate.

Anfang des letzten Jahres hatte ich mir hier vorgenommen mehr Einträge zu posten als im vorherigen Jahr, also mehr als 22.

Mit Stolz verkünde ich nun, dass dieses Ziel erreicht wurde und das mit sage und schreibe… 27 posts!

Soll ich jetzt den Knaller zünden?

Nein, erst nehme ich mir erneut vor, diesen neuen Rekord im kommenden 2012 wieder zu schlagen!

Also, auf ein Neues!

Als der Vorschlag, die Weihnachtsferien mit der gesamten Familie in einem Ferienhaus in Dänemark zu verbringen, das erste Mal ernsthaft diskutiert wurde, konnte keiner der Anwesenden die schrecklichen Ereignisse voraussehen, die an den kommenden Festtagen den gesamten Clan erschüttern würden.

Im Grunde, so wurde der Plan den skeptischen Kindern verkauft, würde es ein Weihnachten wie jedes andere sein, nur dass man eben nicht zu Hause, sondern mit allen Verwandten zusammen in einem großen geräumigen Haus an der Küste feiern würde. Ansonsten hielt man sich an die eintrainierten Abläufe der letzten Jahre.

Doch wie viele Katastrophen wäre auch diese nicht eingetreten, wenn man den Stein des Anstoßes nicht durch eine weitere Änderung ins Rollen gebracht hätte.

Es war nicht, dass der Baum wie gewöhnlich schief stand, seine natürlich grüne Spitze abgesägt und durch eine künstliche Plastik-Goldspitze ersetzt wurde, ja nicht einmal die Tatsache, dass schockierend und vollkommen geschmacklos bunt geschmückt wurde, brachte mehr als den üblichen Weihnachtsstreit mit sich. Der Tradition folgend zoffte man sich auch über die Auswahl der viel zu rockigen und unweihnachtlichen Weihnachtsmusik, die militärisch geplanten Einkaufsexkursionen und die simple Frage, ob die Christmesse besser zu Fuß oder mit dem Auto erreicht werden würde.

Alle diese Dinge verliefen wie immer und verursachten keine Schäden, die nicht bis zum Neuen Jahr wieder repariert werden konnten. Doch noch etwas außer dem neuen Ort und der ungewohnten Menschenmenge war dieses Jahr anders. Bereits im Oktober hatte das Familiengericht getagt und nach längerer Diskussion beschlossen, der Tradition in einem weiteren Punkt den Rücken zu kehren und testweise die Geschenke abzuschaffen.

Und die Tradition war es, die sich rächen würde.