„Eine dunkle Begierde“ heißt David Cronenbergs neuster Film, der sich mit dem Aufstieg der Psychoanalyse und dem Verhältnis zweier ihrer Begründer (Sigmund Freud und Carl Gustav Jung) beschäftigt. Im Zentrum des Films steht dabei, neben den Unterhaltungen von Jung und Freud, Jungs Patientin, Geliebte und spätere Kollegin Sabina Spielrein und ihre Beziehung zu beiden Männern.

Freud, der Jungs Mystifizierung der „Wissenschaft“ befürchtet, zieht in der Narration des Films dabei seltsamerweise den Kürzeren: Nicht nur eine Szene, in der Jung das Klopfen der Heizung in seinem Zwerchfell antizipiert, sondern auch die sehr pathetische Prophezeiung gegen Ende des Films, in der Jung 1913 „Ströme von Blut, dem Blut Europas“ und damit den Ersten Weltkrieg vorhersagt, stellen den Zuschauer ungewollt auf Jungs Seite.

Dabei ist Viggo Mortensens Darstellung des ewig Zigarre paffenden, alles auf Sex zurückführenden, neidischen, älteren Freud mir am deutlichsten in Erinnerung geblieben und hat zumindest schauspielerisch sowohl Michael Fassbenders recht blassen Jung und Keira Knightleys anfangs unangenehm übertrieben psychotische Spielrein um Längen übertroffen.

Der durchaus lohnende Film hat allerdings das große Problem, dass man als Zuschauer kaum über die Hintergründe des Geschehens informiert wird und daher das Gesehene entweder vor- oder nachbereiten muss, um dem Inhalt des Erzählten gerecht werden zu können.

Auch merkt man dem Film an, dass er die Adaption eines Theaterstückes ist, das wiederum von einem Roman inspiriert wurde. Viele zwei-Personen-Szenen, eine starke Gewichtung von wiederkehrenden Faktoren und Dialoge, die den Zuschauer leicht zurücklassen, bringen den Kinobesucher dazu, sich zu fragen, ob die Geschichte nicht in einem anderen Medium besser repräsentiert wäre.

Für Cronenberg nicht ungewöhnlich bekommt man mit „Eine dunkle Begierde“ nicht eine klassische Biographie geliefert, sondern eher einen Film über Psychoanalyse, der (gerade an der zentralen Rolle der Patientin und späteren Psychaterin Spielrein und der Einweisung des dritten Psychoanalytikers Otto Gross) deutlich macht, dass alle handelnden Figuren im Grunde einen psychischen Knacks haben, über den sie einmal mit jemandem sprechen sollten.

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