Der lange Mann im grauen Anzug, der seine viewership-likeability durch eine Krawatte mit tanzenden Rentieren aufzubessern suchte, versprach gerade den Eltern der kleinen Kinder, die mit ihren großen Augen auf dunklen Fensterbänken saßen und auf die ersten Flocken des Jahres warteten, dass die langersehnten Niederschläge (im Gegensatz zu seinen Versprechungen der letzten Tage) nun wirklich fallen würden.

Er schloss sein Segment mit Markenlächeln und einem Einblick in sein medientaugliches Privatleben, nach dem er dieses Wochenende seine Kinder zum Schlittenfahren in den Park begleiten würde, ab. Dass die besagten Buben jedoch bereits zu cool für solche Kindereien waren und das Einzige, was sie im Schnee treiben würde, den dicken Mika und eine vorbereitete Ladung eisglasierter Schneebälle beinhalten würde, wusste der Wettermann nicht und konnte ihm daher auch nicht als Lüge vor laufender Kamera angerechnet werden. Nur dass seine beiden Söhne zum Zeitpunkt der Aufzeichnung am anderen Ende Deutschlands bei seiner gar nicht medientauglichen zweiten Ehefrau lebten, war ihm selbstverständlich bewusst.

Der Nachrichtensprecher war gerade im Begriff, den Zuschauern ein frohes Fest zu wünschen, als im News-Room des Senders die Nachricht eintraf, dass der Weihnachtsmann in einem Unfall, der hochprozentigen Eierpunsch, einen Lichtgeschwindigkeitsschlitten und einen Tannenbaum, der angeblich aus dem Nichts erschienen war, involvierte, ums Leben gekommen war.

Das Programm wurde daraufhin selbstverständlich geändert und eine Sondersendung, die die Top Ten der besten Weihnachtsmann-Momente vorführen und mit C-Prominenz darüber diskutieren würde, statt der geplanten Filmwiederholung angesetzt.

Während die Zuschauer vor ihren Bildschirmen heilfroh darüber waren, dass ihre Kinder sich sowieso nicht für die Nachrichten interessierten und die Neuigkeit daher noch nicht erfahren hatten, traf sich per Videochat eine Konferenz der wichtigsten Politiker, Spielzeugfabrikanten und Spirituosenhersteller der ganzen Welt, um eine Medienstrategie und ein alternatives Weihnachten zu planen.

Da der Weihnachtsmann bisher immer als unsterblich gegolten hatte, war es kein Wunder, dass man auf die Situation gänzlich unvorbereitet war und die Besprechung der Vielredner hätte sicherlich noch bis weit über Weihnachten hinaus gedauert, wenn nicht einer der anwesenden Medienmogule auf die grandiose Idee gekommen wäre, die positive Seite der Schreckensnachricht zu betrachten und einfach per Castingaufruf die Weltbevölkerung einen neuen Weihnachtsmann wählen zu lassen.

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