Dezember 2011


„Eine dunkle Begierde“ heißt David Cronenbergs neuster Film, der sich mit dem Aufstieg der Psychoanalyse und dem Verhältnis zweier ihrer Begründer (Sigmund Freud und Carl Gustav Jung) beschäftigt. Im Zentrum des Films steht dabei, neben den Unterhaltungen von Jung und Freud, Jungs Patientin, Geliebte und spätere Kollegin Sabina Spielrein und ihre Beziehung zu beiden Männern.

Freud, der Jungs Mystifizierung der „Wissenschaft“ befürchtet, zieht in der Narration des Films dabei seltsamerweise den Kürzeren: Nicht nur eine Szene, in der Jung das Klopfen der Heizung in seinem Zwerchfell antizipiert, sondern auch die sehr pathetische Prophezeiung gegen Ende des Films, in der Jung 1913 „Ströme von Blut, dem Blut Europas“ und damit den Ersten Weltkrieg vorhersagt, stellen den Zuschauer ungewollt auf Jungs Seite.

Dabei ist Viggo Mortensens Darstellung des ewig Zigarre paffenden, alles auf Sex zurückführenden, neidischen, älteren Freud mir am deutlichsten in Erinnerung geblieben und hat zumindest schauspielerisch sowohl Michael Fassbenders recht blassen Jung und Keira Knightleys anfangs unangenehm übertrieben psychotische Spielrein um Längen übertroffen.

Der durchaus lohnende Film hat allerdings das große Problem, dass man als Zuschauer kaum über die Hintergründe des Geschehens informiert wird und daher das Gesehene entweder vor- oder nachbereiten muss, um dem Inhalt des Erzählten gerecht werden zu können.

Auch merkt man dem Film an, dass er die Adaption eines Theaterstückes ist, das wiederum von einem Roman inspiriert wurde. Viele zwei-Personen-Szenen, eine starke Gewichtung von wiederkehrenden Faktoren und Dialoge, die den Zuschauer leicht zurücklassen, bringen den Kinobesucher dazu, sich zu fragen, ob die Geschichte nicht in einem anderen Medium besser repräsentiert wäre.

Für Cronenberg nicht ungewöhnlich bekommt man mit „Eine dunkle Begierde“ nicht eine klassische Biographie geliefert, sondern eher einen Film über Psychoanalyse, der (gerade an der zentralen Rolle der Patientin und späteren Psychaterin Spielrein und der Einweisung des dritten Psychoanalytikers Otto Gross) deutlich macht, dass alle handelnden Figuren im Grunde einen psychischen Knacks haben, über den sie einmal mit jemandem sprechen sollten.

Der lange Mann im grauen Anzug, der seine viewership-likeability durch eine Krawatte mit tanzenden Rentieren aufzubessern suchte, versprach gerade den Eltern der kleinen Kinder, die mit ihren großen Augen auf dunklen Fensterbänken saßen und auf die ersten Flocken des Jahres warteten, dass die langersehnten Niederschläge (im Gegensatz zu seinen Versprechungen der letzten Tage) nun wirklich fallen würden.

Er schloss sein Segment mit Markenlächeln und einem Einblick in sein medientaugliches Privatleben, nach dem er dieses Wochenende seine Kinder zum Schlittenfahren in den Park begleiten würde, ab. Dass die besagten Buben jedoch bereits zu cool für solche Kindereien waren und das Einzige, was sie im Schnee treiben würde, den dicken Mika und eine vorbereitete Ladung eisglasierter Schneebälle beinhalten würde, wusste der Wettermann nicht und konnte ihm daher auch nicht als Lüge vor laufender Kamera angerechnet werden. Nur dass seine beiden Söhne zum Zeitpunkt der Aufzeichnung am anderen Ende Deutschlands bei seiner gar nicht medientauglichen zweiten Ehefrau lebten, war ihm selbstverständlich bewusst.

Der Nachrichtensprecher war gerade im Begriff, den Zuschauern ein frohes Fest zu wünschen, als im News-Room des Senders die Nachricht eintraf, dass der Weihnachtsmann in einem Unfall, der hochprozentigen Eierpunsch, einen Lichtgeschwindigkeitsschlitten und einen Tannenbaum, der angeblich aus dem Nichts erschienen war, involvierte, ums Leben gekommen war.

Das Programm wurde daraufhin selbstverständlich geändert und eine Sondersendung, die die Top Ten der besten Weihnachtsmann-Momente vorführen und mit C-Prominenz darüber diskutieren würde, statt der geplanten Filmwiederholung angesetzt.

Während die Zuschauer vor ihren Bildschirmen heilfroh darüber waren, dass ihre Kinder sich sowieso nicht für die Nachrichten interessierten und die Neuigkeit daher noch nicht erfahren hatten, traf sich per Videochat eine Konferenz der wichtigsten Politiker, Spielzeugfabrikanten und Spirituosenhersteller der ganzen Welt, um eine Medienstrategie und ein alternatives Weihnachten zu planen.

Da der Weihnachtsmann bisher immer als unsterblich gegolten hatte, war es kein Wunder, dass man auf die Situation gänzlich unvorbereitet war und die Besprechung der Vielredner hätte sicherlich noch bis weit über Weihnachten hinaus gedauert, wenn nicht einer der anwesenden Medienmogule auf die grandiose Idee gekommen wäre, die positive Seite der Schreckensnachricht zu betrachten und einfach per Castingaufruf die Weltbevölkerung einen neuen Weihnachtsmann wählen zu lassen.