Anfang Oktober ist das neueste Zamonien-Buch von Walter Moers „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ erschienen. Ich, als großer Fan von insbesondere dem direkten Vorgänger des neuen Buches, das an „Die Stadt der Träumenden Bücher“ anschließt, habe das Werk selbstverständlich sofort erstanden und durchgelesen. Doch je mehr Stunden ich vor dem Buch saß und je mehr Seiten vorbei blätterten, desto enttäuschter und deprimierter wurde ich.

Stark verspätet habe ich mich jetzt endlich dazu durchgerungen, die drei größten Probleme, die ich mit dem Buch habe, aufzuschreiben und dadurch damit abzuschließen:

1. Mein erstes Problem mit Moers neuestem Buch lässt sich am besten mit einem Zitat aus dem ersten Kapitel erklären:

„Kurzum: Ich war zu einem von Literaturpreisen und Publikumsgunst verhätschelten Popanz verkommen, dem jede Fähigkeit zur Selbstkritik und nahezu alle natürlichen künstlerischen Instinkte abhanden gekommen waren. Einer, der nur noch sich selbst zitierte und die eigenen Werke kopierte, ohne es zu merken. Wie eine schleichende Geisteskrankheit, die vom Patienten selber nicht erkannt wird, hatte mich der Erfolg ereilt und völlig verseucht. Ich was so sehr damit beschäftigt, mich in meinem Ruhm zu suhlen, ich nahm nicht einmal wahr, dass mich das Orm schon lange nicht mehr durchströmte.“

Traurigerweise hat das Leben hier nämlich die Kunst imitiert und dem Autor geht es genau wie seinem fiktiven Autor: Er zitiert sich selbst und kopiert sein eigenes Werk.

Erst dachte ich, dass das vielleicht gewollt war. Dass der erste Teil des Buches so stark an „Die Stadt der Träumenden Bücher“ erinnern soll, weil Moers hier zeigen will, dass Mythenmetz wirklich das Orm verloren hat. Damit dieser Plan aufgeht, müsste es jedoch einen Punkt in der Geschichte geben, in dem sich „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ von seinem Vorgänger abwendet – und den gibt es nicht.

Mythenmetz zweiter Besuch in Buchhaim verläuft exakt wie sein erster, Buchhaim hat sich zwar verändert und neue Eigenheiten, wie der Puppetismus, werden entdeckt, aber die Grundgeschichte ist die selbe: Wir explorieren die Stadt, gehen in Antiquariate und treffen wieder die Schreckse Inazea Anazazi, den Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer und natürlich auch den neusten Vertreter der Smeik-Familie.

2. Vom ersten Punkt ausgehend, lässt sich mein zweites Problem leicht erklären: „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ ist nur der erste Teil eines Buches und dieser Teil endet an der Stelle, in der die eigentliche Geschichte erst beginnt!

Moers gibt das in seinem Nachwort des Übersetzers auch bereitwillig zu: „Ich musste, so leid es mir tut, den Roman aus Gründen seines Umfangs und seiner Komplexität in zwei Bücher aufteilen. […] Die wirkliche Geschichte fängt hier in der Tat erst an. Alles Bisherige war nur Ouvertüre.“

Nachdem ich „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ zuende gelesen hatte, griff ich erbost nach seinem Vorgänger und schlug nach, wie viele Seiten Moers in „Die Stadt der Träumenden Bücher“ gebraucht hat, um Mythenmetz in den Untergrund zu schicken. In 150 Seiten schaffte er dort noch, wofür er in diesem Buch 430 Seiten braucht – und ja, weniger wäre in diesem Fall eindeutig mehr gewesen. Dann hätte Moers auch seine Deadline einhalten und die Geschichte in einem Buch veröffentlichen können.

3. Und diesen Punkt nehme ich sehr persönlich: Wo Buchlinge drauf sind, sollen gefälligst auch Buchlinge drin sein!

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