Acht Stunden am Tag verbringe ich durch mein Praktikum mit dem Lesen von Leseproben und Exposés, dem Schreiben von Bewertungen und dem Lektorieren von vollständigen Manuskripten. Nach dem Abendbrot öffne ich dann mein Netbook erneut und haue für drei bis vier Stunden zwecks Erfüllung meiner Nanowrimo-Quote in die Tasten. Dann ist es meistens 23 Uhr und ich tue was? Bloggen.

Alles begann so gut: Noch am 31. Oktober traf ich mich mit elf anderen Nano-Schreibern aus Berlin zum Write-In und hatte dadurch noch vor dem zu Bett gehen 600 Wörter geschafft. Die nächsten Abende verbrachte ich gechillt auf meinem Bett und stellte, immer wenn ich ein Kapitel abschloss, fest, dass ich meinen Soll schon erfüllt hatte. Kein Stress also.

Jetzt sind die ersten zehn tausend Wörter geschrieben und die im Vorfeld geplanten ersten sieben Kapitel beinahe abgeschlossen, jetzt verliere ich langsam nicht nur meinen eigenen Faden, sondern auch die Motivation, jetzt fange ich an zu begreifen, warum Nanowrimo als „literary abandon“ betitelt wird.

Hier ein paar Dinge, die ich in meiner ersten Woche von Nanonwrimo bereits gelernt habe:

  1. Mit einer Zahl von 1667 Wörtern kann ich überhaupt nichts anfangen, drei Seiten pro Tag klingt dagegen vollkommen machbar – Pustekuchen! Gerade, wenn man nicht mehr weiß, was inhaltlichen passieren wird, sollte man sich unbedingt Zeit nehmen!
  2. Nachts funktioniert mein Schreibhirn am besten, was toll ist, da ich sowieso nur nachts Zeit zum Schreiben habe. Andererseits leide ich für gewöhnlich schon darunter, dass mein Körper schlafen, mein Kopf aber einfach keine Ruhe geben will: Jetzt habe ich Tage an denen ich statt einzuschlafen über Plotpunkte und Wendungen nachdenke bis mir der Kopf rauscht. So manches Mal bin ich in den letzten Tagen auch schon gegen vier Uhr morgens (und natürlich ohne auch nur eine Sekunde geschlafen zu haben) wieder aufgestanden, durch das dunkle Zimmer getappt bis ich Notizbuch und Stift gefunden hatte und habe dann die nächste Stunde damit verbracht, bei möglichst wenig Licht, mir all das aus dem Kopf zu schreiben, das mein Gehirn am herunterfahren hindert. Wie sagt mein neuer Computer immer so schon: „Es laufen noch Hintergrundprogramme, die geschlossen werden müssen, damit ein Herunterfahren möglich ist. Herunterfahren erzwingen?“ Ich klicke dann immer „ja“, nur dummerweise ist mein PC doch einfacher zu bedienen als meine persönliche Festplatte. Daher rate ich nur, Notizbuch und Stift gleich neben dem Bett horten, spart Zeit und verhindert kalte Füße.
  3. Perfektionismus kann man sich abgewöhnen! Donnerstag Abend schrieb ich über drei Stunden an Kapitel drei, nur um beim anschließenden Durchlesen festzustellen, dass es totaler Scheiß war. Normalerweise hätte ich also entweder noch weitere drei Stunden mit der Überarbeitung des Geschriebenen verbracht, oder aber einfach alles wieder gelöscht. Da ich durch Nano aber sowohl auf die tägliche Wortzahl, wie auch auf meinen Schlaf, angewiesen bin, dachte ich mir: „Screw that!“ und bin ins Bett gegangen.
  4. Dinge, die nicht spannend sind, die man sich also quälen muss aufzuschreiben, sollte man gleich weglassen. Obwohl ich mich in Romanen schon häufig über endlos langweilige Beschreibungen geärgert habe, brauchte ich einige Tage um diesen Grundsatz auch als Autor ernst zu nehmen. Wenn man als Autor kein Talent hat, das inhaltliche leere Passagen sprachlich füllt, dann sollte man seine Handlung einfach abkürzen. Der Leser kann ja auch ein wenig an der Bebilderung der erdachten Welt mitarbeiten.
  5. Ablenkung ist gut! Zwischendurch mal ein youtube-Video gucken, ein wenig auf tumblr surfen, vielleicht auch mal schnell um den Block gehen – all das kann nur helfen.

In diesem Sinne,

“I hate catchy choruses and I’m a hypocrite – hungry, hungry hypocrite” – yes, I’m going a bit mental, so what?!

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