Morgens in einem blutgetränkten Teppich aufzuwachen ist schlimm. Wissen, dass sowohl Blut wie auch Teppich die eigenen sind, ist schlimmer. Am schlimmsten, sagen sie, ist immer das erste Mal. Aber das ist nur so ein Sprichwort, denn sie sagen auch: Wenn man mit fünfzig aufwacht und es tut einem nichts weh, ist man tot.

Elena Fitz war sechzehn, hatte die ganze Nacht hindurch gesoffen und fand beim Erwachen nicht einen Teil ihres Körpers, der nicht schmerzte. Stattdessen fand sie, dass sie tot war. Und das zum ersten Mal in ihrem Leben.

Die Geschwindigkeit, mit der sie sich ihrer Situation bewusst wurde, erschreckte Elena. Das erstaunlich blutleere Loch in ihrem Hinterkopf, in dem sie bequem ihren halben Zeigefinger versenken konnte, erschreckte sie jedoch noch mehr. Und da es ihr sinnlos erschien mit einer solchen Wunde noch ins Krankenhaus zu gehen, beschloss sie das nächste Bett aufzusuchen und dort ihren Rausch auszuschlafen. Glücklicherweise befand sie sich in ihrem eigenen Haus und es gelang ihr trotz ihres nicht-nüchternen und nicht-lebenden Zustandes in kürzester Zeit ein Bett zu finden.

Beim Einschlafen dachte sie zurück an ihre Mutter, die immer gesagt hatte, dass Schlaf das beste Heilmittel sei. Auch so ein Sprichwort, aber in diesem Moment glaubte Elena, dass sich das ganze Problem mit ihrem neuerdings begehbaren Hirn ja vielleicht ganz von alleine erledigen konnte.

Natürlich tat es das nicht, dafür löste sich allerdings das Problem, das Elenas Mörder im Verstecken ihrer Leiche gesehen hatten, bei ihrem Verschwinden aus dem, zum Transport bereitgelegten Teppich, ganz von alleine. Und so verließen zumindest zwei Menschen an diesem Morgen das Haus der Fitzens mit erleichterten Mienen.

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