Oktober 2011


Der Oktober nähert sich seinem Ende zu und der November wartet begierig auf seinen Abtritt. Weltweit trauern Millionen von Menschen dem Herbst hinter her und sehnen den weihnachtlichen Dezember herbei. November, den unbeliebtesten Monat des Jahres, würden alle am liebsten überspringen.

November mit seinem konstanten Regen, seiner sich langsam einschleichender und dann nie wieder davon gehender Kälte, seinen grauen Nachmittagen, mit wenig Sonne und statt Feiertagen nur Depressionen und Langeweile. November eben.

Aber es gibt einen guten Grund, sich über jeden Regentropfen, der auf der anderen Seite des Fensters fällt, zu freuen. Einen Grund, das schlechte Wetter willkommen zu heißen, das einen dazu zwingt, zu Hause zu bleiben. Einen Grund, der die Langeweile durch konstante Beschäftigung ersetzt. Der einem keine Zeit lässt, depressiv zu werden. Und der den November viel schneller vergehen lässt, als es einem lieb sein kann:

Nanowrimo.

Nanowrimo macht jeden November zum NAtional NOvel WRIting MOnth und aus jedem willigen Teilnehmer einen Autor. Ziel ist es in 30 Tagen (und Nächten) einen Roman von 50.000 Wörtern zu verfassen. Auf www.nanowrimo.org kann man sich auch offiziell eintragen und das Voranschreiten des persönlichen und kommunalen Wortzählers beobachten.

Also an alle, denen schon seit Ewigkeiten ein Roman oder auch nur der Geist einer Idee dafür im Kopf herum spukt: Diesen November gibt es kein Drücken mehr!
Jetzt wird die Arbeit mit dem Gongschlag liegengelassen und das Ausgehen mit Freunden auf nächsten Monat verschoben. Jetzt werden die ersten Wörter noch vorm Frühstück verfasst und die letzten kurz vorm Einschlafen im Bett aufs Papier gebracht. Jetzt handeln die Alpträume nur noch von Plotlöchern und unscharfen Charakteren. Jetzt wird gegrübelt und getippt bis Finger und Hirn gleichsam rauchen.

Jetzt wird ein Buch geschrieben.

Mach mit!

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Heute vor 156 wurde Logan Pearsall Smith geboren, der amerikanische Essayist und Kritiker, dessen Aphorismen es sogar auf diesen Blog geschafft haben. Aus gegebenem Anlass, hier ein paar zum Denken und Schmunzeln:

The indefatigable pursuit of an unattainable perfection, even though it consist in nothing more than the pounding of an old piano, is what alone gives a meaning to our life on this unavailing star.

What I like in a good author is not what he says, but what he whispers.

Whiskey has killed more men than bullets, but most men would rather be full of whiskey than bullets.

When they come downstairs from their Ivory Towers, Idealists are very apt to walk straight into the gutter.

How can they say my life is not a success? Have I not for more than sixty years got enough to eat and escaped being eaten?

Mein neuer Favorit: Thank heavens, the sun has gone in and I don’t have to go out and enjoy it.

Und natürlich: People say that life is the thing but I prefer reading.

And very merry felicitations auch an alle anderen, die heute ihren Geburtstag feiern!

Pottermore, das im Internet hochgehandelte online-reading-experience für die Fans von Harry Potter, öffnet im Oktober seine Tore für alle Muggles.

Da ich zu der verschwindend geringen Gruppe von einer Million Beta-Testern gehöre, habe ich bereits vor ein paar Wochen meinen Brief aus Hogwarts bekommen und konnte diesen neuen Versuch die Potter-Franchise am Leben zu erhalten in aller Ruhe und ohne allzu viel traffic erkunden.

Neben der offensichtlichen Nutzung dieser Seite als Plattform zum Verkauf der Harry Potter E-Books, soll sie, laut J.K.Rowlings Ankündigung, eine Möglichkeit zur Wiederentdeckung der Bücher sein.

Einige Aspekte, wie die Einteilung in eines der Hogwarts-Häuser, das erwählt werden von einem Zauberstab (Weißbuche und Phoenixfeder) und vor allem die Hintergrundinformationen von J.K.Rowling, sind wirklich nett und für Hardcore-Fans auch sehr zu empfehlen, aber der Rest der Erfahrung ist leider kaum interessant. Neben nie gelingenden Zaubertränken und komplizierten Zaubererduellen bietet Pottermore höchstens noch ein paar schöne Illustrationen.

Die Seite ist zwar sehr schön gemacht und die wirklich interessanten Zusatzinformationen über Figuren, Orte und magische Kreaturen sind es wert in irgendeiner Form veröffentlicht zu werden, aber leider bietet Pottermore seinen Besuchern keinen Grund, die Seite ein zweites Mal zu besuchen.

Ich hätte mich über die versprochene Potter-Enzyklopädie mehr gefreut.

Das Jahr war 2011 und die Entdeckung der Zeitmaschine purer Zufall. Sie wurde, wie so viele verloren geglaubte Gegenstände, auf einem Dachboden gefunden. Anders jedoch, als die Kisten voller Kuscheltiere und die Reihen von alten Pelzmänteln, konnte die Maschine aufgrund ihres kuriosen Aussehens nicht direkt zugeordnet werden. Und so landete die schuhkarton-große Apparatur auf einem Stapel mit der alten Spielkonsole, zusätzlichen Kabeln und Steckern in allen Farben des Regenbogens (mit Ausnahme von orange) und dem aussortierten schwarz-weiß Fernseher.

Nachdem die Kuscheltiere an Kindergärten und verwandte Institutionen vererbt und die Pelzmäntel endgültig aussortiert wurden, wandte man sich der Elektronik zu. Die Spielkonsole wurde noch ein letztes Mal angeschlossen und ausgespielt, der Fernseher zum Sondermüll gebracht und die Kabel und Stecker ein weiteres Mal in einer Kiste, die für den neurenovierten Dachboden bestimmt war, verstaut.

Die metall-glänzende Konstruktion in ihrer dunkelgrünen Samttasche konnte man sich noch immer nicht erklären. Sie musste wohl so eine Art Tischkalender gewesen sein. Und als solchen setzte man sie dann auch ein. Die Räder wurden auf Tag, Monat und Jahr eingestellt, doch mit Enttäuschen fand man, dass wohl die Batterie ihren Geist aufgegeben habe, da die Anzeige der Uhrzeit nicht von alleine weiterticken wollte. Aus ästhetischen Gründen beschloss man daher, die Zeit auf Zwölf zu setzen. Zum Zeitpunkt, da dies geschah, war ein Uhr bereits durch.

Der Sprung in die Vergangenheit betrug lediglich achtzig Minuten und wurde vom anwesenden Hausherren erst bemerkt, als man sich am Mittagstisch über die verspätete Mahlzeit unterhielt.

In dem Moment, da der frischgebackene Zeitreisende gerade sein Transportmittel anhob und bei genauerer Untersuchung der wahnsinnigen Frage nachging, ob vielleicht, eventuell der Ständer dieses Tischkalenders gar keine Halterung, sondern in Wirklichkeit ein Schalter war, was auch das mechanische Klicken erklären würde, das die Apparatur beim Aufsetzen von sich gegeben hatte, und ob dieser Schalter beim Umlegen vielleicht, eventuell den irrwitzigen Effekt, aber nein, das war wirklich zu lächerlich – in eben jenem Moment klingelte es an der Haustür.

Davor stand ein Beamter der Zeitagentur, und hätte man dies im Haus gewusst, oder dem attraktiven Herrn im Anzug in irgendeiner Form ansehen können, dann hätte man gewiss so getan, als wäre man verreist.