September 2011


„`God or the multiverse,´ says Heather. `Which one would you choose?´ `I’m not happy with either of them,´ I say. `But probably God – whatever that actually means. Call it the Thomas Hardy interpretation: I’d rather have something out there that means something than feel like I exist in a vast ocean of pure meaninglessness.´”
– Scarlett Thomas: The end of Mr. Y

Jetzt ist der Papstbesuch vorbei und zumindest das publizistische Deutschland ist vor allem eines: enttäuscht. Was man hören wollte, wurde nicht gesagt und was gesagt wurde, wollte man nicht hören.

Die Verarbeitung der Ereignisse erinnerte mich an etwas: In Rahmen des letzten ilb besuchte ich die Deutschlandpremiere des intelligence squared – Debatten Programms. Zwei bekennende und publizierende Atheisten diskutierten dort mit der Sprecherin der „Generation Benedikt“ und einem Monsignore über die Frage, ob die katholische Kirche ein Segen sei.

Während der amüsanten Einstiegsreden konnte man bereits erkennen, wo das Grundproblem der folgenden Diskussion liegen würde: Die Teilnehmer sprachen aneinander vorbei, da die zwei Seiten um unterschiedliche Diskussionsgegenstände stritten. Während die Redner der Contra-Seite die historischen Verfehlungen der katholischen Kirche anprangerten, verteidigten die Verfechter des Glaubens genau das, nämlich den Glauben an sich.

In der Presse der vergangenen Tage konnte man den selben Fehler finden: Die Kritiker und die Befürworter/Verantwortlichen des Papst-Besuches haben eigentlich keine gemeinsame These, die sie diskutieren können. Die aufgepeitschte Öffentlichkeit erwartet immer noch Stellungnahmen zu Missbrauchsfällen, der Gleichberechtigung von Homosexuellen und der Zukunft der Ökumene. Der Papst will eigentlich nur Gott, „Wo Gott ist, da ist Zukunft“ war daher auch das Motto dieses Besuches, in Erinnerung rufen. Die einen diskutieren über Kirche und Katholizismus, die anderen über Glauben und Gott. Und auch wenn wir beide Themen in die selbe Feuilleton-Kategorie schieben, macht sie das noch lange nicht identisch.

Ob der Papst die unangenehmen Fragen und die Grundprobleme der katholischen Kirche in einer modernen Welt ignoriert, oder die Öffentlichkeit sich lieber an Äußerlichkeiten aufhängt, als sich auf Glauben einzulassen, will hier nicht beantwortet werden.
Fest steht jedoch, dass wir es wieder einmal mit einem Kommunikationsproblem zu tun haben. Bei der Debatte in Berlin  hatte ich den Eindruck, dass die dort Zusammengesetzen eigentlich gar nicht miteinander reden wollten: Die rhetorisch überlegenen Atheisten suchten die Anerkennung des Publikums durch Humor und Spott und die Gläubigen appellierten an unser Bedürfnis nach Bedeutung durch eine Predigt über die Schönheit des Metaphysischen. Mit der jeweiligen Gegenseite wollte und konnte sich auch keiner wirklich befassen, da man dann wohl in die Bredouille gekommen wäre, Zugeständnisse machen zu müssen.

Damit eine Kommunikationsstörung behoben werden kann, muss es aber immer einen geben, der den ersten Schritt macht and, personally, my money’s not on the Pope…

PS: Wer sich für die IQ²-Debatte interessiert: Die deutsche Version ist leider (noch) nicht im Netzt zu finden, aber stattdessen bietet der youtube-Kanal einen Teaser der englischen Debatte zum gleichen Thema – and this one comes with the cherry on top, that is Stephen Fry: http://www.youtube.com/user/iqsquared#p/u/0/9fN3zDtfivc

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a.k.a. wieder mal ein Versuch, mehr posts zu erzwingen

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