In B…, einer bedeutenden Stadt im Osten Deutschlands, befand sich eine Universität, die, obzwar Ruhm und Ehre des Hauses und der Lehrenden die Welt bereisten, nicht über alle Fehler, derer in einer Lehranstalt von vergleichender Größe gar viele auftraten, erhaben war und deren Belegungspläne von Räumen und Hörsälen zu Beginn so manchen Semesters, Studenten wie Professoren gleichermaßen erstaunen ließen.

So trafen an einem kühlen Donnerstag zwei Gruppen von Studierenden, nämlich die der Theologie, deren Ziel es war, zu erlernen was Religion ist, und die der Germanistik, die das Leben und Werk des Herrn Heinrich von K… zu studieren suchten, im Hörsaal 2 der Universität zu B… ein. Die Studenten der Germanistik nun, deren Gruppe fast ausschließlich aus Gasthörern bestand, deren Alter und ergrautes Haar, wie auch ihr unbändiger Wissensdurst, sie eindeutig von den pausbäckigen Gesichtern der jugendlichen Kaffeeträger unterschieden, erschütterte die Ankunft des Professors Z…, der ganz erstaunt in den weit gefüllten Saal blickte und begann das Wesen der Religion zu erklären.

Rasch wurde seine Lesung unterbrochen, als einer der Grauhaarigen nach dem Verbleib der Frau F… und der versprochenen Vorlesung über Herrn von K… fragte, dessen Frage wiederum von Seiten des Lesenden mit der Information abgetan wurde, dass die Veranstaltung über Herrn von K… nur an zwei Tagen des Monats Mai stattfinden würde. Woraufhin er sich erneut unterbrechen musste, da unter lautem Gemurmel und Gemurre die Gruppe der Germanistikstudenten und die zu ihnen gehörende, weit größere Gruppe der Grauhaarigen, Anstalten machte Taschen zu packen, Jacken an zu ziehen, Kaffeebecher zu ergreifen und kurzerhand den Raum zu verlassen.

Nun war jedoch bereits Frau F… eingetreten, die an ihrem ersten Tag in der Universität von B… nicht damit rechnete, mit älteren Professoren um die Benutzung eines Saales, in Streit zu treten, und deren Haltung sogleich die der Unterordnung war, derart versuchte sie die Verwirrung der Anwesenden mit schnellen Worten zu deuten und eine Lösung, durch das Gespräch mit Herrn Z… herbei zu führen.

Es ergab sich, dass die Information des Herrn Z… nicht nur falsch war, sondern dass sowohl die Lesung der Frau F…, wie auch die zur Religion zur selben Zeit im selben Raum angesetzt waren. Durch diese neue Bestätigung ermuntert und des Stehens bereits müde, begann die Gruppe der Germanisten sich Jacken, Taschen und Kaffeebechern wieder zu entledigen und man kämpfte sich mit triumphierenden Blicken zu den, durch das laute Aufbrechen zuvor gestörten, Theologiestudenten, zurück auf die besten Plätze des Saales.

Gespannt verfolgten von dort aus beide Gruppe das Gespräch der Lehrenden, und da sie ihr gerade gewonnenes Revier nicht durch fehlenden Durchsetzungswillen der Frau F… wieder verlieren wollen, begannen die grauhaarigen Germanisten lauthals der Verkündung einer Lösung vorzugreifen, indem sie den Umzug der Religion skandierten. Derart provoziert baten nun die Theologen um Handzeichen, um ihr Anrecht auf den Saal, durch eine Mehrheit an Teilnehmern beweisen zu können, doch durch die Macht der Grauhaarigen gewann die Germanistik diese Abstimmung um ein Vielfaches.

Einzig Professor Z…, jener wackere Christ, konnte um seiner langjährigen Tradition in Hörsaal 2 willen, den Raum nicht aufgeben und Frau F… forderte ihre Studenten auf, ihr gewagte 20 Meter in Hörsaal 1b zu folgen. So verließen geschätzte 40 Germanisten und 110 Grauhaarige mitsamt ihrer Taschen, Jacken und Kaffeebecher den Saal, in dem sie 20 Theologiestudenten, sowie einen sehr glücklichen Professor Z… hinterließen, dem es zu verdanken war, dass die Religion den Herrn von K… an diesem kühlen Donnerstag besiegte und so dessen eigene These noch bestärkte und wieder einmal zeigte, dass dem armen Mann „auf Erden nicht zu helfen war“.

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