Die Welt wird dümmer. Kultur wird immer unverständlicher für die Masse. Und langsam, aber doch nicht so langsam, sinkt das Niveau. Zum Glück hat Vater Fernsehen das erkannt und anstatt zu beschließen gegen die allgemeine Verdummung anzukämpfen, hat er den profitableren Weg gewählt und versucht seinen armen Säuglingen die Ernährung, mit einfach zu verdauender Kost, zu erleichtern.

Und frei nach dem alten Spruch, was auf den Tisch kommt, wird auch gegessen, verschlingen  wir die mannigfaltigen Casting-Shows, oder die neu aufkommende Welle des scripted-reality Fernsehens auf den Sendern der rtl-Group, die wir alle natürlich nur gucken, damit unser Ego sich schnurrend zusammen rollen und mit erhobenem Näschen auf die Unterschicht-Proleten, die es nötig haben sich für fünf Euro zum Hanswurst der Nation zu machen, herabgucken kann.

Da wir es dort jedoch nicht mehr mit einer durch das Drehbuch festgesetzten Gruppe an Charakteren zu tun haben, die durch Dialog oder Aktion identifiziert werden können, muss dem Zuschauer eine Hilfestellung angeboten werden. Doch Vater Fernsehen hat auch dafür gesorgt. Und zwar in Form von Einblendungen, in denen uns Name und Alter der Person, die vor Kamera gerade ihre innersten Abgründen offenbart, in Erinnerung gerufen werden.

Aber das ist natürlich für den dummen Zuschauer von heute noch nicht genug. Damit wir auch keineswegs den roten Faden des komplizierten Plots der letzten Minuten aus den Augen verlieren und die überdramatisierten Echo-Effekte auch ihre Wirkung nicht verfehlen, wird uns in den Einblendungen auch noch ein kürzer Untertitel gezeigt. Dieser dient entweder als eine knappe Erläuterung der Position, die unser Bildschirm-Gegenüber gerade vertritt („…findet Joana langweilig“; „…ist sich keiner Schuld bewusst“; „…hat keine Lust auf Party“), oder als Hintergrundinformation, die dem Zuschauer helfen soll, die Figuren in der Flimmerkiste leichter in Schubladen zu stecken („… hat eine eigene Poledance-Stange“; „…möchte Grundschullehrerin werden“). Denn das ist es doch, wonach wir uns sehnen. Eine noch einfachere Methode, Gründe zu finden, um die Meinung über die vom Sender bereits Verurteilten zu teilen, und uns dadurch gleichzeitig von ihnen abzusetzen.

Doch die Menschen, die für die eingeblendeten Untertitel verantwortlich sind, scheinen ihre gesellschaftlich wertvolle Aufgabe nicht ganz ernst zunehmen. Wie anders ist es zu erklären, dass die Hälfte aller Untertitel, weder zum Plot, noch zur Schubladenabfertigung dienen? („… ist gerne Brokkoli“)
Die Seriosität der edlen Profession bröckelt, wenn nach dem katastrophalen Lauf einer Topmoppel-Kandidatin auf 20cm High Heels plötzlich „…hat Höhenangst“ eingeblendet wird.

Also, liebe Untertitel-Virtuosen, nehmt euren Bildungsauftrag wieder ernst. Wir brauchen eure Hilfe. Wie sollen wir sonst die komplexen Zusammenhänge der Cat-Fights im Topmoppel-Haus/Big-Brother-Haus/Dschungelcamp/Superstar-Villa/Gerichtssaal verstehen?

Advertisements