April 2011


In B…, einer bedeutenden Stadt im Osten Deutschlands, befand sich eine Universität, die, obzwar Ruhm und Ehre des Hauses und der Lehrenden die Welt bereisten, nicht über alle Fehler, derer in einer Lehranstalt von vergleichender Größe gar viele auftraten, erhaben war und deren Belegungspläne von Räumen und Hörsälen zu Beginn so manchen Semesters, Studenten wie Professoren gleichermaßen erstaunen ließen.

So trafen an einem kühlen Donnerstag zwei Gruppen von Studierenden, nämlich die der Theologie, deren Ziel es war, zu erlernen was Religion ist, und die der Germanistik, die das Leben und Werk des Herrn Heinrich von K… zu studieren suchten, im Hörsaal 2 der Universität zu B… ein. Die Studenten der Germanistik nun, deren Gruppe fast ausschließlich aus Gasthörern bestand, deren Alter und ergrautes Haar, wie auch ihr unbändiger Wissensdurst, sie eindeutig von den pausbäckigen Gesichtern der jugendlichen Kaffeeträger unterschieden, erschütterte die Ankunft des Professors Z…, der ganz erstaunt in den weit gefüllten Saal blickte und begann das Wesen der Religion zu erklären.

Rasch wurde seine Lesung unterbrochen, als einer der Grauhaarigen nach dem Verbleib der Frau F… und der versprochenen Vorlesung über Herrn von K… fragte, dessen Frage wiederum von Seiten des Lesenden mit der Information abgetan wurde, dass die Veranstaltung über Herrn von K… nur an zwei Tagen des Monats Mai stattfinden würde. Woraufhin er sich erneut unterbrechen musste, da unter lautem Gemurmel und Gemurre die Gruppe der Germanistikstudenten und die zu ihnen gehörende, weit größere Gruppe der Grauhaarigen, Anstalten machte Taschen zu packen, Jacken an zu ziehen, Kaffeebecher zu ergreifen und kurzerhand den Raum zu verlassen.

Nun war jedoch bereits Frau F… eingetreten, die an ihrem ersten Tag in der Universität von B… nicht damit rechnete, mit älteren Professoren um die Benutzung eines Saales, in Streit zu treten, und deren Haltung sogleich die der Unterordnung war, derart versuchte sie die Verwirrung der Anwesenden mit schnellen Worten zu deuten und eine Lösung, durch das Gespräch mit Herrn Z… herbei zu führen.

Es ergab sich, dass die Information des Herrn Z… nicht nur falsch war, sondern dass sowohl die Lesung der Frau F…, wie auch die zur Religion zur selben Zeit im selben Raum angesetzt waren. Durch diese neue Bestätigung ermuntert und des Stehens bereits müde, begann die Gruppe der Germanisten sich Jacken, Taschen und Kaffeebechern wieder zu entledigen und man kämpfte sich mit triumphierenden Blicken zu den, durch das laute Aufbrechen zuvor gestörten, Theologiestudenten, zurück auf die besten Plätze des Saales.

Gespannt verfolgten von dort aus beide Gruppe das Gespräch der Lehrenden, und da sie ihr gerade gewonnenes Revier nicht durch fehlenden Durchsetzungswillen der Frau F… wieder verlieren wollen, begannen die grauhaarigen Germanisten lauthals der Verkündung einer Lösung vorzugreifen, indem sie den Umzug der Religion skandierten. Derart provoziert baten nun die Theologen um Handzeichen, um ihr Anrecht auf den Saal, durch eine Mehrheit an Teilnehmern beweisen zu können, doch durch die Macht der Grauhaarigen gewann die Germanistik diese Abstimmung um ein Vielfaches.

Einzig Professor Z…, jener wackere Christ, konnte um seiner langjährigen Tradition in Hörsaal 2 willen, den Raum nicht aufgeben und Frau F… forderte ihre Studenten auf, ihr gewagte 20 Meter in Hörsaal 1b zu folgen. So verließen geschätzte 40 Germanisten und 110 Grauhaarige mitsamt ihrer Taschen, Jacken und Kaffeebecher den Saal, in dem sie 20 Theologiestudenten, sowie einen sehr glücklichen Professor Z… hinterließen, dem es zu verdanken war, dass die Religion den Herrn von K… an diesem kühlen Donnerstag besiegte und so dessen eigene These noch bestärkte und wieder einmal zeigte, dass dem armen Mann „auf Erden nicht zu helfen war“.

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5 Dinge, die ich am 16./17. April gelernt habe:

1. Die Frau ist dem Manne Untertan.

2. So manches Glied ist ein Atomkraftwerk.

3. „nüchtegern“

4. Wäre Gott ein Getränk, dann wäre er Sangrita.

5. They’re taking the hobbits to Isengard.

Die Welt wird dümmer. Kultur wird immer unverständlicher für die Masse. Und langsam, aber doch nicht so langsam, sinkt das Niveau. Zum Glück hat Vater Fernsehen das erkannt und anstatt zu beschließen gegen die allgemeine Verdummung anzukämpfen, hat er den profitableren Weg gewählt und versucht seinen armen Säuglingen die Ernährung, mit einfach zu verdauender Kost, zu erleichtern.

Und frei nach dem alten Spruch, was auf den Tisch kommt, wird auch gegessen, verschlingen  wir die mannigfaltigen Casting-Shows, oder die neu aufkommende Welle des scripted-reality Fernsehens auf den Sendern der rtl-Group, die wir alle natürlich nur gucken, damit unser Ego sich schnurrend zusammen rollen und mit erhobenem Näschen auf die Unterschicht-Proleten, die es nötig haben sich für fünf Euro zum Hanswurst der Nation zu machen, herabgucken kann.

Da wir es dort jedoch nicht mehr mit einer durch das Drehbuch festgesetzten Gruppe an Charakteren zu tun haben, die durch Dialog oder Aktion identifiziert werden können, muss dem Zuschauer eine Hilfestellung angeboten werden. Doch Vater Fernsehen hat auch dafür gesorgt. Und zwar in Form von Einblendungen, in denen uns Name und Alter der Person, die vor Kamera gerade ihre innersten Abgründen offenbart, in Erinnerung gerufen werden.

Aber das ist natürlich für den dummen Zuschauer von heute noch nicht genug. Damit wir auch keineswegs den roten Faden des komplizierten Plots der letzten Minuten aus den Augen verlieren und die überdramatisierten Echo-Effekte auch ihre Wirkung nicht verfehlen, wird uns in den Einblendungen auch noch ein kürzer Untertitel gezeigt. Dieser dient entweder als eine knappe Erläuterung der Position, die unser Bildschirm-Gegenüber gerade vertritt („…findet Joana langweilig“; „…ist sich keiner Schuld bewusst“; „…hat keine Lust auf Party“), oder als Hintergrundinformation, die dem Zuschauer helfen soll, die Figuren in der Flimmerkiste leichter in Schubladen zu stecken („… hat eine eigene Poledance-Stange“; „…möchte Grundschullehrerin werden“). Denn das ist es doch, wonach wir uns sehnen. Eine noch einfachere Methode, Gründe zu finden, um die Meinung über die vom Sender bereits Verurteilten zu teilen, und uns dadurch gleichzeitig von ihnen abzusetzen.

Doch die Menschen, die für die eingeblendeten Untertitel verantwortlich sind, scheinen ihre gesellschaftlich wertvolle Aufgabe nicht ganz ernst zunehmen. Wie anders ist es zu erklären, dass die Hälfte aller Untertitel, weder zum Plot, noch zur Schubladenabfertigung dienen? („… ist gerne Brokkoli“)
Die Seriosität der edlen Profession bröckelt, wenn nach dem katastrophalen Lauf einer Topmoppel-Kandidatin auf 20cm High Heels plötzlich „…hat Höhenangst“ eingeblendet wird.

Also, liebe Untertitel-Virtuosen, nehmt euren Bildungsauftrag wieder ernst. Wir brauchen eure Hilfe. Wie sollen wir sonst die komplexen Zusammenhänge der Cat-Fights im Topmoppel-Haus/Big-Brother-Haus/Dschungelcamp/Superstar-Villa/Gerichtssaal verstehen?