Der vergangene Freitag brachte mir mal wieder einige Stunden dieser wundervollen Unterhaltung, die nur ein A(llgemeine)B(erufs)V(orbereitung) Kurs verbreiten kann. Das Thema war Networking, die Dozentin ein wenig zu gut darin Leute zu missverstehen und ich schon nach der Vorstellungsrunde demotiviert.
Aber es wurde noch besser.
Nachdem wir uns (natürlich in Partnerarbeit, natürlich im Stuhlkreis und natürlich unter zu Hilfenahme der obligatorischen, bunten Pappschilder aus dem Moderationskoffer) darüber klar wurden, was „netzwerken“ eigentlich für uns bedeutet, begannen die praktischen Übungen.

Übung Nummer 1: Smalltalk
Das Ergebnis war die augenöffnende Erkenntnis, dass man mit fremden Leuten immer gut über das Wetter oder die BVG reden kann.

Übung Nummer 2: Fragetechnik
Endlich können wir begreifen, warum kleine Kinder, die immer nur „Warum?“ fragen, ihren Gesprächspartner nicht zur Antwort motivieren. Es liegt an der Wortwahl. „Warum“ ist so viel kälter und arroganter als sein Synonym „Weshalb“. Wer mit dem vernichtenden „Warum“ attackiert wird, fühlt sich automatisch in eine Rechtfertigungsposition versetzt. Natürlich.
Darum warte ich jetzt auf den Fünfjährigen, dessen Fragekette nur aus „Inwiefern?“ besteht.

Übung Nummer 3: Killerphrasen
Zwei neue Kandidaten für die Liste der schönsten Wörter lernte ich in dieser Übung kennen:
Killerphrasen = Sätze, die eine konstruktive Kommunikation verunmöglichen
Vorwurfsmühle
= Der Teufelskreislauf (auch so ein Kandidat) von Vorwürfen, denen man nicht entgehen kann und die letztendlich ebenfalls das Gespräch „killen“
Außerdem kam mir während unseres kleinen Rollenspiels zu dieser Übung, die Erleuchtung, dass fast alle meine Wortbeiträge in zwei Jahren Deutschunterricht bei Werner durch die ultimative Killerphrase geblockt wurden: „Ist das so?“
Allein diese Erkenntnis war sechs Stunden Augenrollen wert.

Wir beendeten unser Seminar dann mit einigen wundervoll sinnfreien Übungen zum Thema „aktives Zuhören“, das meiner Meinung nach wieder eine dieser Erfindungen ist, die Psychologen und Kommunikationswissenschaftler als Rechtfertigung ihres Faches betrachten, für alle anderen aber selbstverständlich ist.
„Selbstverständlich“ war auch das Wort, das mir während der Übungen ach so oft im Mund lag. Aber scheinbar ist es nicht selbstverständlich, dass man weiß, dass das Wetter immer ein gutes Thema ist, dass man fremde Leute nicht sofort nach ihren sexuellen Vorlieben fragt und dass man Gespräche nicht mit „Jetzt sind Sie mal bitte still.“ beendet. Denn wenn das so wäre, könnte man sich solche ABV-Seminare ja sparen, oder?

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