Juni 2010


Der Traum ist vorbei. Millionen von Fußballfans sitzen laut schluchzend vor den Fernsehgeräten, schreien gen Himmel und verfluchen Schiri und Götter gleichermaßen. Das Achtelfinale war zum Greifen nahe. Doch wie so oft zeigt uns das Schicksal den ersehnten Preis, bevor es ihn uns wieder entreißt. Es ist passiert. Nichts lässt sich mehr ändern.

Neuseeland ist ausgeschieden.

Aber, frei nach der Devise: „Beim zweiten Mal läuft’s gleich viel besser“, ist hier von Schande keine Spur. Ungeschlagen verlassen die All Whites das Turnier. Verloren sie bei ihrer ersten WM-Teilnahme noch jedes Spiel, so fliegen sie diesmal mit stolzerhobenen Köpfen und verdienten drei Punkten zurück ins Land der großen, weißen Wolke.  Und wie wir alle wissen: Alle guten Dinge sind drei.

Denn der haarige Mann wird wiederkommen und die Sonne scheinen lassen, hoffentlich müssen wir nicht wieder 28 Jahre auf ihn warten.

In diesem Sinne,
Whiti te rā, hī!

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In den letzten Jahren wurde ich des öfteren mit ungläubigen Mienen angestarrt, wenn es um das Thema Handy ging. Das große Fragezeichen in allen Augen, stellte natürlich nichts anderes, als die die-Welt-in-Atem-haltende Frage: Wie kann man heutzutage noch OHNE Handy auskommen?
Bis vor kurzem hätte ich als Reaktion mit den Schultern gezuckt und „Kein Problem“ gesagt. Aber jetzt ist die unschuldige Zeit des handylosen Daseins leider vorbei. Auch in meinen Haushalt hat sich eines dieser mobilen Ungeheuer eingeschlichen:

Lange Zeit habe ich mein Leben ohne es bestritten. Stolz hätte ich meinen Weg auch gerne ohne telefonische Begleitung fortgesetzt, aber auch die besten Prinzipien werden irgendwann von Umständen und Gesellschaft erschlagen. Von allen Seiten wird man dazu gedrängt, den Stolz zu schlucken und sich der Masse anzuschließen.

Zugegeben, es gibt Momente in denen ein Handy praktisch ist: Wenn man sich mit Freunden an Orten trifft, an denen man noch nie war. Wenn man jemanden am Bahnhof abholen will und die Bahn am falschen Gleis ankommt. Wenn man nachts mit dem Auto unterwegs ist und sich plötzlich die Antriebswelle verabschiedet.

Aber genau so gibt es auch Momente, in denen man ohne Handy viel besser auskommen würde. Oder besser gesagt in einer Zeit, in der Handys noch nicht selbstverständlich waren.
Dass man, um einen Telefonanschluss zu bekommen, seine Telefonnummer angeben muss, um für Nachfragen erreichbar zu sein, ist da nur der ironische Gipfel des Eisberges. Um Verträge abzuschließen, Jobs zu bekommen, Kontakte zu erhalten – der Schlüssel ist die Erreichbarkeit.

Ich will gar nicht ständig erreichbar sein. Wenn ich eine Reklame sehe, in der die Mutter beim Einkaufen von ihrem Göttergatten und mitten in einer Arbeitskonferenz von ihrem kleinen Kind angerufen wird, was natürlich nur möglich ist, weil sie das supertolle, neue Headset-Handy hat, schellen bei mir die Alarmglocken. Vollkommen egal, ob das Kind „Hab dich lieb, Mama!“ oder „ Mama, im Garten ist grad ein Spaten umgefallen!“ sagt.

Und ich bleibe dabei, wenn man sich um 20h an Ort X verabredet hat, dann sollte man auch gegen 20h an Ort X auftauchen. Was bringt es mir um 20h an Ort X einen Anruf zu erhalten, der mir sagt, dass meine Verabredung um 20h NICHT an Ort X sein kann?

Dem Handy schiebe ich einiges an Schuld zu. Und vielleicht übertreibe ich auch. Aber zu einem gewissen Teil, hat es doch Schuld daran, dass Pünktlichkeit, das Einhalten von Vereinbarungen und die wunderbare Möglichkeit, einfach mal ein paar Tage von der Welt zu verschwinden, in unserer Gesellschaft stetig absterben.

Dafür sind wir jetzt alle wunderbar spontan. Zumindest solange noch Geld auf dem Handy ist.