Heute vor 124 Jahren erblickte Gottfried Benn erstmals das Licht dieser Welt. Irgendwann zwischen dann und jetzt entstand (angeblich mit einem Abstand von 20 Jahren zwischen den beiden Strophen) die:

Welle der Nacht

Welle der Nacht—, Meerwidder und Delphine
mit Hyacinthos leichtbewegter Last,
die Lorbeerrosen und die Travertine
weh’n um den leeren istrischen Palast,

Welle der Nacht—, zwei Muscheln miterkoren,
die Fluten strömen sie, die Felsen her,
dann Diadem und Purpur mitverloren,
die weiße Perle rollt zurürck ins Meer.

Dass diese absoluten Chiffren leicht als Blödsinn dekodiert werden können, bewies uns  vor ca. 3 Jahren ein übereifriges Kursmitglied, das eine zig-seitige Interpretation schrieb, in der jedes Wort in einem politischen, allegorischen und (um es freundlich zu sagen) weit hergeholten Kontext analysiert wurde.

Mein Dank gebührt an dieser Stelle Doktor Benn und der unvergessenen Deutschstunde, die den Besitzer der wahren Wahrheit dazu brachte mit mehr als einem „Ist das so?“ auf eine Hausaufgabe zu reagieren.
Denn ohne euch, hätte jemand, der mir sehr am Herzen liegt (und einen Stammplatz an meiner Pinnwand in Detmold hat), nie entstehen können: Der Storch.

Da ich den Autor nicht durch fehlerhaftes Zitieren erzürnen möchte und mir der Text, wie gesagt, nicht vorliegt, nur so viel:


Und im Ofen der Geruch von verbranntem Huhn.
Kräh! Der Storch ist tot.
Und mit ihm die Legende vom Flügelschlag.

Hermetische Lyrik at its finest.
Vielleicht erinnert sich der Autor ja  noch an ein paar mehr Verse dieses überwältigenden Meisterwerkes…

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