Januar 2010


Ich warte auf den Bus.

An der Bushaltestelle hat sich bereits eine feine weiße Schicht über den frisch gestreuten Weg gelegt. Auch der Asphalt der Straße wird durch die Flocken erhellt. Die Kälte kriecht zwischen alle Schichten. Ich ziehe den Schal enger und die Handschuhe höher. Langsam stiefele ich durch den Schnee um das Haltestellenschild. Meine Kreise werden kleiner. Das Gehen anstrengender. Mittlerweile ist kein Unterschied mehr zwischen Straße und Gehweg zu erkennen. Bei jedem Schritt geben meine Knie ein knackendes Geräusch von sich. Meine Füße werden taub. Ich vergrabe die Hände in meinen Manteltaschen und ziehe die Schultern hoch. Der Schnee nimmt zu. Ich beschließe Energie zu sparen und mich in meinen Mantel zu verkriechen.

Aus dem Schneeschleier tauchen die Lichter des Busses auf. Ich will nach meiner Tasche greifen, das Portemonnaie suchen. Doch ich scheitere an der Bewegung, die normalerweise meine Hand aus der Manteltasche ziehen würde. Der rechte Arm bewegt sich gar nicht. Ich versuche es mit dem Linken. Nichts.

Der Bus hält. Die Türen öffnen sich. Meine Füße machen nicht den Anschein, als würden sie irgendwo hin gehen können. Ich plane mich vorwärts zu lehnen. Wenn ich umfalle, müsste der Aufprall zumindest die Eisschicht um meine Muskulatur sprengen. Der Plan schlägt fehl. Immer noch kein Gefühl in Zehen oder Fingern.

„Mitfahren, oder nicht?“ ruft der Busfahrer mir entgegen. Ich will ihm antworten. Will rufen: „Ja, Sekunde, ich kann mich grad nicht bewegen. Ja! Ja! Ich will mitfahren!“ Doch meine Lippen sind zugefroren. In dem Moment, als mir klar wird, dass ich nicht einmal mehr meine Zunge spüre, hebt der Bus sich aus seiner einstiegsfreundlichen Schräge. „Dann eben nicht.“ grummelt der Busfahrer und die Türen schließen sich. Ich versuche noch ein letztes Mal die Hand auszustrecken. Zu winken. Der Bus fährt los. Ich kann den Kopf nicht drehen. Kann ihm nicht hinterher sehen. Die Motorengeräusche werden leiser. Verschwinden ganz. Jetzt ist es wieder still. Der Bus ist fort.

Ich warte auf den nächsten.

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Wenn heute gestern wäre, würde ich jetzt noch schlafen.

Wenn ich jetzt noch schlafen würde, müsste die Vorlesung ohne mich stattfinden.

Wenn die Vorlesung ohne mich stattfinden müsste, würde sich rein gar nichts ändern.

Wenn sich rein gar nichts ändern würde, warum bin ich dann aufgestanden?

Ich hasse „New Year’s Resolutions“. Ich kann mich nicht erinnern je welche gefasst zu haben. Und wenn, dann nur in meinem Kopf und nur für ein paar flüchtige Sekunden am Ende des alten Jahres. Ich glaube auch nicht daran. Ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich schafft, etwas in seinem Leben zu ändern, nur weil er es gerade an diesem 31.Dezember beschließt.
Aber dieses Jahr habe ich doch etwas beschlossen. Und damit es nicht wieder als Gedankentropfen in meinem Gedächtnismeer versinkt, schreibe ich es hier auf. Damit die drei Leute, die diesen Blog tatsächlich lesen, es bis ans Ende meiner Tage als Waffe gegen mich verwenden können. Damit ich mich selber daran erinnere. Und damit der seltsame Druck in meiner rechten Gehirnhälfte, der mich seit letztem Montag verfolgt, endlich weggeht.

Alles begann mit einer Sturmkrähe, die mich daran erinnerte, wie plötzlich, unfair und sinnlos das Leben enden kann (Oh, ja: „dark stuff“ ich weiß – aber meine vergangene und anhaltende Emo-Phase hat schließlich zum oben benannten Ergebnis geführt, also wem’s nicht gefällt… tant pis). Die liebe Krähe, oder vielmehr die Nachricht, die sie brachte, begann sich in meinem Kopf ein Nest aus Fragen und Vorwürfen zu bauen. Meine Versuche sie durch laute Musik, banale Filme und Schundliteratur zu verscheuchen schlugen fehl. Und meine letzte Kriegsstrategie, das totale Ignorieren ihrer Anwesenheit, führte nur dazu, dass ich das Ei auf dem sie brütete nicht bemerkte, bevor es zu spät war.
Nun ist es zu spät. Das Krähenküken ist da. Die Resolution wurde geboren. Und ich bin dazu verdammt herauszufinden, ob ich imaginäre Haustiere länger am Leben erhalten kann, als reale Pflanzen.

Ich werde also mein Bestes geben, um meinen Beschluss nicht nur nicht zu töten, sondern tatsächlich auch auszuführen. Der realistischste Teil (realistisch erscheint er mir allerdings auch nur solange ich noch unter dem Einfluss von „Julie&Julia“, einer Riesentafel Milka ToffeeGanznuss und nicht zu vergessen dem Krähenküken stehe) der Resolution verlangt: Lord Laziness jeden Tag für ein paar Minuten in den Schrank zu sprerren, meine Tastatur für etwas anderes als einen Schwamm zum Aufsaugen von verschüttetem Tee zu nutzen und (ja, jetzt kommt der entscheidende Teil) regelmäßig zu schreiben.
Wie genau „regelmäßig“ operationalisiert wird, welchen Anteil meines Nonsense ihr hier wiederfinden werdet und welches Ziel dieser Beschluss hat, gilt es noch festzulegen.

Das Wichtigste und für diese Seite Entscheidenste ist, dass ich versuchen werde regelmäßig (angestrebtes Ziel, wie es ursprünglich von der wahren breakfastlady festgelegt wurde: Einmal die Woche) zu bloggen.
Ja, jetzt hab ich es gesagt. Wahnsinn, oder? Ich kann die Ausreden kaum abwarten, die ich mir einfallen lassen werde, um posts zu vermeiden. Aber wenn alle Stricke reißen, kann ich diesen Eintrag immer noch löschen und darauf bestehen, dass er nie existiert hat.

In diesem Sinne,
Happy New Year für alle, die noch einmal über Los laufen durften (auch wenn sie nicht 4000DM einziehen konnten) und wir hören spätestens nächste Woche voneinander (oder auch nicht, kähähäää).

PS: Und wehe einer von euch wagt es vor mir zu sterben!