Jetzt ist es Zeit für bunte Lichter, Sterne, Glocken und Engel, für erleuchtete Tannenbäume, hell erstrahlende Schaufenster und Kerzen.

Jetzt ist es Zeit für Weihnachtsmärkte, für das Durcheinander der Musik, die von jedem Stand kommt, für den Geruch von gebrannten Mandeln und den bluterhitzenden Geschmack von Glühwein.

Jetzt ist es Zeit für Aliens, die ganze Stationen voller krebskranker Kinder heilen, für Schneemänner vor der Haustür, die den Winter im Gefrierschrank überstehen und für Robert Downey Jr., der auf dem Klavier „River“ spielt.

Jetzt ist es Zeit für Depressionen, für Einsamkeit und das nervende Gefühl, dass die ganze Welt glücklicher ist, als man selbst.

Jetzt ist es Zeit für Geschenke, Zeit sich wieder wie ein Kind in der Playmobilabteilung zu fühlen, wieder ins Wohnzimmer zu spähen, obwohl man doch eigentlich schon viel zu alt für solche Spiele ist, Zeit, aufgrund von Verpackungen den Inhalt zu erraten und Zeit für dieses eine Geschenk, dass man nie bekommt.

Jetzt ist es Zeit für den alljährlichen Kaufrausch, für Panik, weil man am 4.Advent immer noch keine Geschenke hat, Zeit für die Ausnutzung der Kaufwilligkeit und Zeit für die Hochkonjunktur des Kapitalismus.

Jetzt ist es Zeit für Lieder über Rentiere, Schneemänner, Sterne und den Weihnachtsmann, Zeit, dass einen ein paar simple Noten zum lächeln und in eine andere Sphäre bringen, Zeit, dass auch die größten Musikmuffel zum Singen kommen und Zeit für all die wunderbar zynischen Anti-Weihnachtslieder, die einem gleichzeitig zeigen, was so furchtbar an Weihnachten ist und einen doch trotzdem in Weihnachtsstimmung versetzen.

Jetzt ist es Zeit für Kekse, Spekulatius, Lebkuchen, Printen, Dominosteine und Zimtsterne, für die alljährlichen Versuche, Zuckerguss herzustellen, der Pfefferkuchenplatten zusammen hält und Smarties und Zuckerkränze auf schiefen Ebenen halten lässt.

Jetzt ist es Zeit für Mäntel, bunte Mützen, meterlange Schals und Handschuhe, Zeit, sich in warme Pullover zu kuscheln und zwei Paar Socken zu tragen.

Jetzt ist es Zeit für schlechtes Wetter, Kälte und Regen, für nasse Füße und die ewige Jagd nach den perfekten und nicht-existenten Winterstiefeln, Zeit für Eisglätte und den Moment, in dem man in der Luft hängt und weiß, dass man gleich auf die Nase fallen wird.

Jetzt ist es Zeit für ein eigenes Filmgenre, für das Wunder von Manhatten, die Santa Clause, und die einfache Frage, ob das Leben nicht schön ist.

Jetzt ist es Zeit für den ersten Schnee, für den Moment, wenn die Welt wieder schön wird, nur weil weiße Flocken vom Himmel fallen, Zeit seine Hände durch den Schnee auf Zäunen und Mauern, an denen man vorbei geht, streifen zu lassen, Zeit nachts unter der Bettdecke am offenen Fenster zu sitzen und die herabrieselnden Kristalle im Licht der Laterne auf der sonst dunklen Straße zu beobachten.

Jetzt ist es Zeit für Teesorten mit Orangen- und Zimt-, Rum- und Marzipan- oder Holunder- und Nelkengeschmack, Zeit für Tassen, an denen man sich die Hände wärmt, Zeit sich in Ohrensesseln und seinen Lieblingsbüchern zu verkriechen und Zeit für den ewigen Wunsch, dass jede Einzimmerwohnung mit Kamin kommt.

Jetzt ist es Zeit für einen der wenigen regelmäßigen Kirchgänge im Jahr, Zeit zum x-ten Mal die Weihnachtsgeschichte zu hören, Zeit für ein leises Schämen, wenn die Gedanken bei der Predigt wieder einmal abdriften und für dieses seltsame und alles andere als profane Gefühl, das einen beschleicht, wenn die Lichter in der Kirche ausgehen und man mit Blick auf den Weihnachtsstern „Oh, du Fröhliche“ singt.

Jetzt ist es Zeit für die Herdmanns, für Niklas Julebukk, Scrooge und den Grinch, Zeit die alten Kisten vom Dachboden zu durchsuchen und auf Erinnerungen zu stoßen, die man nie vergessen wollte.

Jetzt ist es Zeit für Familienstress, für den Streit, der immer um die Feiertage herum ausbricht, für das lange Schweigen, bis man sich endlich wieder zusammenrafft und für die enttäuschten Erwartungen, die immer eine seltsame Leere hinterlassen.

Jetzt ist es Zeit für sentimentale Blogeinträge, Zeit für Weihnachtswunder, für Autogespräche und Mädchengekreische, Zeit mit einem Lächeln ins Bett zugehen, Zeit gute Wünsche an alle auszusenden, die man liebt und Zeit wieder daran zu glauben, dass alles gut wird.