Sind Sie mal wieder zu früh am Treffpunkt angekommen und müssen nun warten, bis Ihre Verabredung zu erscheinen geruht? Oder sind Sie spät dran, haben mal wieder viel zu viel zu tun und sowieso in der letzten Woche kein einziges Mal ausschlafen können?

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GreyIndustries – Time waits for … you!

Drei Kugeln schlugen ein.

„Du hast das alte Holzbein zur Hilfe gerufen?“, höhnten die Anderen. „Hast es nicht mal einen Tag alleine ausghalten, was Grünschnabel?“

„Lassen Sie mich raten“, erwiderte der alte Mann im Hut und wandte sich mit einem gönnerhaften Lächeln seinem Untergebenen zu. „Keine Fingerabdrücke, keine DNA, die Überwachungskamera zeigt nur Rauschen und wäre die Leiche hier vor uns nicht, würden Sie nicht einmal davon ausgehen, dass überhaupt ein Mord geschehen ist.“

Der Polizist nickte, Augenkontakt mit dem Hinzugerufenen vermeidend. „Inspektor … ich … ich habe keine Ahnung, wie es passiert sein kann, geschweige denn, dass ich sagen könnte, wer es war … ich …“

„Ganz ruhig, mein Junge, was habe ich Ihnen beigebracht? Fangen Sie am Anfang an. Was wissen Sie überhaupt?“

„Nun, das Einzige, das wir haben, ist die Tatwaffe. Eine 3-16, ein ausrangiertes Modell …“

„Wie ich“, schmunzelte der ältere Mann.

Das unsichere Lachen des Jüngeren kam verspätet. „Nun … die Kugeln sind nah aneinander eingedrungen, was auf einen ausgebildeten Schützen schließen lässt.“

„Was noch?“

„Es ist … nun … ich kann es mir nicht erklären, aber … Im Register fehlen drei Kugeln.“

„Und?“

„Der Ermordete starb am ersten Schuss. Wenn der Mörder ein Profi war, wozu dann der zweite? Und wo ist die dritte Kugel geblieben? Sie wurde offensichtlich abgefeuert.“

Der Inspektor lächelte. „Gute Fragen. Beantworten Sie sie.“

„Aber … ich …“ Seine Hände zuckten aufwärst, unwillkürlich in einer resignierenden Geste. „Ich weiß es nicht, Inspektor. Deshalb habe ich Sie rufen lassen.“

„Mein Lieber.“ Eine schwere Pranke drückte sich fest in die Schulter des Polizisten. „Ich habe Ihnen alles beigebracht, was ich kann. Es ist Ihr Fall.“

„Aber Inspektor …“

„Seit gestern nicht mehr. Beantworten Sie die Fragen.“

Der Polizist schluckte schwer, dann atmete er tief ein und fokussierte zum ersten Mal sein Gegenüber. „Ich denke, die zweite Kugel ist ein Hinweis, eine Signatur, ein Zeichen seines Könnens.“

„Haben Sie diese Signatur bereits einmal gesehen?“

„Nein, nie in einem Mordfall.“

„Dann ist es sein erster Mord?“

„Das denke ich auch, aber …“ Der Jüngere warf dem Inspektor erneut einen zögernden Blick zu. „Warum dann die Signatur? Ich habe fast das Gefühl, als wolle er gefunden werden.“

„Gut.“ Der Andere nickte zustimmend. „Vertrauen Sie Ihrem Gefühl. Was weiter?“

„Die dritte Kugel, ich … ich denke, ich weiß, wo sie sein könnte …“

Der Inspektor hob überrascht die Augenbrauen. Dann nickte er wieder. „Gut. Wo?“

„Im Täter.“

Ein zufriedenes Lächeln. „Warum?“

„Nun … wie Sie bereits gesagt haben, der Tartort ist sauber. Keine Spuren, kein gar nichts. Die Kugel wurde abgefeuert, davon zeugt die Patronenhülse. Er wollte, dass wir sie finden, weil …“ Mit zitternder Hand wischte er sich den Schweiß von der Stirn. „Weil er wollte, dass wir ihn finden!“, platzte es schließlich aus ihm heraus.

Ein zweites Lächeln. „Dann läuft der Täter mit einer offenen Schussverletzung durch die Stadt und wartet darauf, dass Sie ihn finden?“

„Nein“, entgegenete der Andere entschieden. „Kein Blut, die Kugel muss zwar den Täter getroffen, ihn aber nicht verletzt haben. Und ich glaube nicht, dass er durch die Stadt läuft. Es ist sein erster Mord, er wäre zum Tatort zurückgekehrt.“

„Typisches Verhalten“, stimmte der Inspektor zu. „Dann müssen Sie nur noch eins lösen: Wie kann die Kugel in den Täter eingedrungen sein, ohne ihn verletzt zu haben?“

„Das wäre möglich, wenn er ein künstliches Körperteil trägt. Eine Prothese. Vielleicht aufgrund einer Dienstverletzung?“ Der Schüler sah ein letztes Mal fragend zu seinem großen Vorbild auf.

„Dann wissen Sie nun, wer der Mörder ist“, sagte der alte Ermittler ruhig und streckte dem Jüngeren seine Handgelenke entgegen. „Von nun an sind Sie der Boss.“

Das Holz war einst ein Baum.

Der Griff des Mannes erinnert das Holz an den Künstler. Der hatte ähnlich große Hände, nur feiner, zärtlicher. Er hat das Holz verschönert, es verbessert, es seiner optimalen Leistungsmöglichkeit zugeführt. Aber dieser Mann wird das Holz nicht verschönern. Er wird keine feinen Ornamentstrukturen in es hobeln. Er wird es nicht zum Teil eines Ganzen machen, zum unverzichtbaren Mitglied einer Familie von vier Brüdern und einem über sie alle wachenden Vater. Stattdessen wird er das Holz seiner letzten Leistungsmöglichkeit zuführen. Er wird es zerstören, das Holz versucht den Gedanken zu unterdrücken, aber es gelingt ihm nicht: Zerstören, so wie er bereits seine Brüder vor ihm zerstörte.

Als die Finger des Mannes sich lösen, spürt das Holz bereits die Wärme der Flammen. Es blickt auf die Überreste seiner Brüder hinab und sein hölzerner Kern zieht sich zusammen, aber die Hitze lässt jeden austretenden Harztropfen sogleich vergehen. Und dann fällt das Holz.

Schon einmal zuvor ist es so gefallen. Im Augenblick der Erinnerung verschmilzt der Mann mit jenem anderen, dem, der vor langer Zeit die Axt geschwungen hat, dem, der sie alle zu Fall brachte. Im Fallen spürt das Holz zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder den Wind. Es riecht nach welken Blättern, Herbststürmen und Hoffnung. Das Holz fühlt sich wieder klein, jung und frisch. Seine grünen Blätter werden vom leisesten Hauch gebogen, jeder menschliche Fußtritt könnte ein Todesstoß sein. Das Holz sieht die anderen Grünlinge auf der Lichtung und weiß, dass sie bald seinen Wurzeln Platz machen werden. Dass sie eingehen werden unter dem stetig höher strebenden Blätterdach seiner Äste. Das Holz weiß, dass es zu viel wollte. Dass es ihm nie wirklich gelingen konnte, den Himmel zu erreichen. Dass der Himmel nur eine Lüge ist, von der die anderen Waldriesen erzählen, um den Mord an unzähligen schwächeren Pflanzen zu rechtfertigen.

Der Lack beginnt fleckenartig vom Holz abzuspringen und dieser Schmerz überdeckt die Scham ob seines jugendlichen Größenwahns. Das Holz versucht seine Gedanken auf die Arbeiter zu lenken, die es zerkleinert und geformt haben. Die gesichtslosen Männer, die ihm endlich eine Bestimmung gaben, eine Aufgabe. Die es mit Nägeln und Leim an seinen Vater banden, auf dass er unter ihm und neben seinen Brüdern der Familie diene.

Doch zwischen all die guten Erinnerungen drängt sich immer wieder das Gesicht des Mannes, des einzigen, der ein Gesicht hat. Ein Gesicht, das das Holz nun anstarrt. Und Hände, die zum Schürhaken greifen und das Holz tiefer in die Flammen schieben. Diese Hände waren es auch, die den Vater zerbrachen. Die auf ihn einschlugen, unprovoziert, ihn gegen die Wand warfen, bis seine Söhne sich von ihm lösten.

Für einen Moment glaubt das Holz, im Knistern der Flammen das Rauschen der Blätter zu hören. Die leichtsinnigen Windgänger sprachen schon immer von Freiheit. Sie haben den Wert der Standhaftigkeit nie begriffen. Deshalb mussten sie auch fallen. In dem Moment, da die Hitze das Holz entzweibricht, beginnt zum ersten Mal auch das Holz zu zweifeln. Freiheit klingt auf einmal so verheißungsvoll, so wahr. Aber weil es ein gutes sozialistisches Holzscheit ist, verdrängt das Holz diesen Zweifel. Es weiß, dass es mit seinem Tod dienen kann. Dass es das Feuer am Leben hält. Dass es Wärme spenden kann. Zumindest für diese eine Nacht.

Die Asche war einst Holz.

2013 steht vor der Tür und die Zeit ist gekommen, Erfolge und Niederlagen des alten Jahres zu resümieren: Im Januar nahm ich mir vor, dieses Jahr 50 Bücher zu lesen. Das, so kann ich hiermit zu Protokoll geben, habe ich erfolgreich erledigt.

Die Bewertung (1-5) beurteilt hier jedoch nicht den Wert des Buches im Vergleich zu anderen oder im Feld der Literatur generell, sondern ist lediglich eine Spiegelung meiner persönlichen Einschätzung direkt nach Beendigung des Buches. Ob nun Schund oder Klassiker, was mir gut gefallen hat und süffig zu lesen war, bekam eine hohe Punktzahl, was langweilig, zäh oder schlichtweg schlecht war, eine niedrige.

  1. Deborah Chester: Die Tränen des Lichts 3/5
  2. Deborah Chester: Die Krone des Lichts 3/5
  3. Patricia C. Wrede, Caroline Stevermer: Sorcery and Cecilia or The Enchanted Choclate Pot 5/5
  4. John Green: The Fault in Our Stars 4/5
  5. Merlin Holland: Oscar Wilde im Kreuzverhör 5/5
  6. Rachel Ward: Numbers 2/5
  7. Ransom Riggs: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children 3/5
  8. Nicholas Sparks: Für immer der Deine 1/5
  9. Edna St. Vincent Millay: Make bright the arrows 3/5
  10. Neil Gaiman: Smoke and Mirrors 3/5
  11. Neil Gaiman (P. Craig Russel): Coraline – The Graphic Novel 3/5
  12. J.R.R. Tolkien: The Hobbit 3/5
  13. Jeffrey Eugenides: The Marriage Plot 4/5
  14. Patrick Ness: A Monster Calls 5/5
  15. Mark Z. Danielewski: House of Leaves 4/5
  16. Gail Carriger: Timeless 3/5
  17. Jean Anouilh: Becket oder die Ehre Gottes 2/5
  18. Walter Scott: Ivanhoe 3/5
  19. Lili Wilkinson: Scatterheart 1/5
  20. Thomas Hardy: Tess 2/5
  21. Graham More: The Sherlockian 3/5
  22. Erin Morgenstern: The Night Circus 3/5
  23. Jörn Klare: Was bin ich wert? 3/5
  24. P.G. Wodehouse: Full Moon 4/5
  25. P.G. Wodehouse: Hot Water 4/5
  26. April Lindner: Jane 3/5
  27. Stephen Fry: The Ode less Travelled 3/5
  28. Trenton Lee Stewart: The Mysterious Benedict Society 3/5
  29. Douglas Coupland: Player One 2/5
  30. Rolf Hochhuth: Anekdoten und Balladen 3/5
  31. Alexandre Dumas (d. Jüngere): Die Kameliendame 1/5
  32. Eva Ibbotson: The Haunting of Hiram 4/5
  33. Franz Rottensteiner (Hrsg.): Viktorianische Gespenstergeschichten 3/5
  34. Michael Ende: Der Niemandsgarten 2/5
  35. Cornelia Funke: Reckless – Lebendige Schatten 4/5
  36. Rebekka Knoll: Das Kratzen bunter Kreide 3/5
  37. Eric-Emmanuel Schmitt: Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran 3/5
  38. Jasper Fforde: The Well of Lost Plots 3/5
  39. Roald Dahl: Tales of the Unexpected 5/5
  40. J.K. Rowling: The Casual Vacancy 3/5
  41. Lord Dunsany: The King of Elfland’s Daughter 3/5
  42. Darren Shan: Cirque du Freak 2/5
  43. Jeffrey Eugenides: The Virgin Suicides 3/5
  44. Sol Stein: Über das Schreiben 2/5
  45. José Saramago: Eine Zeit ohne Tod 4/5
  46. Dodie Smith: I capture the castle 5/5
  47. George Orwell: Animal Farm 5/5
  48. A.S. Byatt: Ragnarok 2/5
  49. Robert Gernhardt: Ein gutes Wort ist nie verschenkt 4/5
  50. Tilman Rammstedt: Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters 2/5
  51. Gail Carson Levine: Ella Enchanted 3/5

Die Hälfte dieser Werke sollte eigentlich von meiner “sollte ich mal lesen”-Liste von „hochwertiger“ Literatur kommen und in diesem Punkt habe ich leider versagt. Aber was wäre ein Jahresresüme ohne neue Zielsetzungen?

Also, auf ein Neues, allons-y!

https://i1.wp.com/files.content.lettersandlight.org/nano-2012/files/2012/11/Winner-120x240.jpgOb ich nun fertig bin oder mein Buch bloß aufgebe, mag hier dahingestellt sein, was zählt ist jetzt nur, dass ich einen vollständigen Roman und 50.789 Wörter aufs Papier gebracht habe.

Dass auf diesem Blog im November nichts erschienen ist, lag natürlich an Nanowrimo (unter anderem). Denn meine letzten Wochen fanden irgendwo zwischen „Through joy and through sorrow, I wrote. Through hunger and through thirst, I wrote. Through good report and through ill report, I wrote. Through sunshine and through moonshine, I wrote. What I wrote it is unnecessary to say. (Edgar A. Poe)“ und „I just sit at a typewriter and curse a bit. (P. G. Wodehouse, after being asked about his writing technique)“ statt.

Und anders als Eugene Ionesco („A writer never has a vacation. For a writer life consists of either writing or thinking about writing.“) genehmige ich mir jetzt erstmal einen Urlaub … und einen Schulterklopfer 😉

Der November steht wieder vor der Tür und neben ihm sein siamesischer Zwilling Nanowrimo. Am Donnerstag werde ich beide zum zweiten Mal in meine Wohnung bitten und mich erneut auf den Burnout- und Erleuchtungsmarathon einlassen, der jährlich Tausende von Schreibwütigen dazu bringt, alle sozialen Kontakte, sowie Arbeits- und Univerpflichtungen schleifen zu lassen, um stattdessen Tag und Nacht mit Plotkonstruktionen, Romancharakteren und Schreibblockaden zu verbringen.

Die Regeln sind einfach: 50 000 Wörter/30 Tage = 1667 Wörter pro Tag, jeder kann mitmachen, die Teilnahme ist kostenlos, die Ergebnisse unbezahlbar: Selten habe ich in so kurzer Zeit so viel über das Schreiben und (so klischeereich-selbsthilfegrupenmäßig das auch klingt) über mich gelernt, wie bei Nanowrimo.

Mein Fazit daher: uneingeschränkt allen zu empfehlen!

Ich freue mich auf Nanowrimo 2012, neue Erkenntnisse und Frustrationen und entschuldige mich im Voraus bei allen Nicht-fiktiven, die im kommenden Monat Kontakt mit mir aufnehmen wollen.

Wie Frank Sinatra einst sang: „Love is lovelier the second time around“ – let’s hope that also goes for Nanowrimo!

PS: Anmelden kann man sich (wenn man das möchte) auf nanowrimo.org, mich findet ihr unter Eskapist und ich freue mich immer über Writing Buddies, die meine/n Begeisterung/Frust teilen.

Barry Fairbrother ist tot. Neben Schrecken und Trauer regiert in Pagford, der Kleinstadt, in der Barry lebte, vor allem eines: hämische Freude. Denn mit Barrys Abtritt aus dem Leben wird auch sein Platz im Stadtrat frei. In eben diesem Stadtrat herrscht seit Jahren ein erbitterter Kampf um die „Fields“, den benachbarten sozialen Brennpunkt, der zum Leid vieler Einwohner offiziell zu Pagford gehört … noch, denn Barry, der selbst in den „Fields“ aufgewachsen ist, war Stimmführer der Verteidigung. Mit seinem Tod sieht Howard Mollison, oberster Stadtrat und Barrys größter Gegner, den perfekten Moment gekommen, um endlich die Mehrheit im Stadtrat zu erlangen und sich endgültig des Schandfleckes voller Drogenabhängiger und Krimineller zu entledigen.

Ja, ich gebe zu, ich gehöre zu denen, die „The Casual Vacancy“ rein aufgrund des Autors, J.K. Rowlings, gekauft haben. Ich wusste kaum, worum es in ihrem ersten Roman seit Harry Potter gehen würde und, ja, es war mir auch ziemlich egal: Rowling hatte endlich wieder ein Buch geschrieben, natürlich würde ich es lesen!

Nachdem ich „The Casual Vacancy“ nun gelesen habe, kann ich zwei Dinge sagen.

  1. „The Casual Vacancy“ ist soweit von Harry Potter entfernt, wie es nur geht: Ein realistischer Roman für Erwachsene, sozialkritisch und belehrend, sprachlich und inhaltlich provozierend und dunkel, und – was mich am meisten überrascht und gefreut hat – ganz ohne Potters deus ex machina, die mächtigste Magie von allen: this time it`s not love again!
    Inmitten von Drogensüchtigen, frustrierten Ehefrauen und kriminellen Teenagern treffen wir zwar auf viele Formen von Liebe, aber genau wie die Menschen, die sie empfinden, ist die Emotion diesmal kaputt und realistisch.
  2. Ich bin mir trotz ihres stilistischen Könnens nicht sicher, ob ich mich für dieses Buch interessieren würde, wenn der Autor nicht J.K. Rowling hieße. Wirklich neu ist die thematisierte „middle-class“-Kritik nicht. Und durch die vielen Charaktere, von denen jeder eigene Plotstränge und Erzählperspektiven mit sich bringt, ist am Ende unklar, wessen Geschichte eigentlich erzählt wurde und an wessen Veränderungen man als Leser nach Schließen des Buches nun Anteil nehmen soll.

Mein Fazit daher: Fans von Rowling haben den Roman bestimmt wie ich bereits gelesen, allen anderen kann ich ihn nur empfehlen, wenn sie sich für die Thematik des Buches interessieren. Ansonsten verpasst man nichts, wenn man diesen Rowling auslässt und lieber auf die kommenden Kinderbücher wartet … yay!

PS: Ist eigentlich niemandem im Lektorat aufgefallen, dass die Betitelung der Kapitel mit Wochentagen nach der Hälfte des Buches einfach aufhört? Oder hat das einen tieferen Sinn, der sich mir entzieht?